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Gastbeitrag von Volker Kauder: Mehr Hilfe für die bedrängten Christen im Irak

Gastbeitrag von Volker Kauder : Mehr Hilfe für die bedrängten Christen im Irak

Berlin (RP). Volker Kauder, Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, zur Religionsfreiheit, über die heute im Bundestag diskutiert wird.

Für verfolgte und bedrängte Christen interessierte sich bei uns lange Zeit kaum jemand. Mit der christlich-liberalen Koalition hat sich dies geändert. Wir haben Religionsfreiheit zu einem wichtigen Anliegen gemacht und uns im Koalitionsvertrag zum Einsatz für verfolgte Christen verpflichtet. Meine Reisen als Fraktionsvorsitzender in Länder, in denen Christen diskriminiert werden, sind Zeichen der Solidarität mit ihnen.

So habe ich in den vergangenen Jahren Christen in China, in Malaysia, in Indonesien und auch in der Türkei besucht. Wenn wir heute im Deutschen Bundestag auf Antrag der Koalitionsfraktionen über Religionsfreiheit diskutieren, wird auch die Situation der verfolgten Christen zur Sprache kommen.

Besonders schockierende Nachrichten erreichen uns diese Tage aus dem Irak. Ende Oktober stürmte ein Al-Qaida-Kommando eine Sonntagsmesse in Bagdad und nahm die Gottesdienstbesucher als Geiseln. Als die irakischen Sicherheitskräfte die Kirche befreit hatten, zählten sie über 50 Ermordete.

Die Gewalt ist im Irak allgegenwärtig, und sie trifft alle. Angehörige religiöser Minderheiten sind jedoch überdurchschnittlich häufig betroffen, weil sie in besonderer Weise von den Extremisten verfolgt werden und sich weniger als andere auf den Schutz durch die Sicherheitskräfte verlassen können. Es ist also notwendig, auch im Bundestag auf ihr Schicksal aufmerksam zu machen. Mindestens die Hälfte der irakischen Christen hat in den vergangenen Jahren das Land verlassen; und täglich gehen weitere Familien.

Angesichts dieser Realität hat mich in Gesprächen der Mut und Durchhaltewillen der irakischen Bischöfe tief beindruckt. Christen leben im Irak mit dem Bewusstsein einer 2000-jährigen Geschichte. Aus ihrer Heimat wollen sie sich nicht vertreiben lassen. Sie sehen, dass ihre Präsenz eine wichtige Rolle für mehr Frieden und Toleranz in der Region spielen kann. Hierbei haben die Christen im Irak unsere Unterstützung verdient.

Zunächst einmal ist jedoch die irakische Regierung aufgefordert, mehr für die Sicherheit der Christen zu unternehmen. Es ist Aufgabe der deutschen Außenpolitik, gegenüber den irakischen Vertretern einzufordern, dass Christen besser geschützt und als gleichberechtigte Bürger im Irak leben können. Ich bin Außenminister Guido Westerwelle dankbar, dass er diese Erwartungen bei seinen Gesprächen in Bagdad sehr deutlich zum Ausdruck gebracht hat.

Bis Christen wieder sicher und gleichberechtigt im Irak leben können, ist es jedoch ein weiter Weg. Viele von ihnen leben heute als Flüchtlinge in den Nachbarländern.

Im Jahr 2009 hat Deutschland in einem humanitären Akt 2500 irakische Flüchtlinge aufgenommen. Dies war ein wichtiger Schritt, um den besonders Hilfsbedürftigen beizustehen.

In einem nächsten Schritt muss es allerdings darum gehen, neue Hoffnung vor Ort zu schaffen. Viele der im Irak gebliebenen Christen leben heute in den Kurdengebieten im Norden des Landes. Neben Wohnraum mangelt es ihnen dort vor allem an Ausbildungsmöglichkeiten und Arbeit. Sie bleiben auf Hilfe von außen und das Wohlwollen der lokalen Regierung angewiesen.

In der Vergangenheit haben die Christen im Irak angesehene Schulen und gut funktionierende Krankenhäuser betrieben. Sie haben sich damit bei breiten Bevölkerungsschichten hohes Ansehen erworben. Wollen wir die Christen im Irak unterstützen, müssen wir ihnen helfen, diese positiven Erfahrungen zu wiederholen.

Deutschland sollte den Christen im Irak eine deutliche Entwicklungszusammenarbeit anbieten, die auch finanzielle Hilfen umfasst. Dadurch könnten neue Arbeitsplätze geschaffen werden, was langfristig die christliche Gemeinschaft in diesem Land stärken könnte. Zugleich wären christlich betriebene Schulen und Krankenhäuser, die allen Irakern offen stehen, ein Weg, die Aussöhnung zwischen den verschiedenen Gruppen weiter voranzubringen.

Vom Deutschen Bundestag wird heute ein klares Signal ausgehen, dass Deutschland diese Vision christlicher Präsenz im Irak mit Rat und Tat unterstützt. Dies ist zugleich eine Botschaft, die über den Irak hinausgeht: Wir lassen verfolgte Christen nicht allein.

(RP)