Junger Kölner stellt in New York aus Aus dem kunterbunten Leben eines Wunderkindes

Köln · Mit vier Jahren begann Mikail Akar zu malen. Schnell wurde das Talent entdeckt. Heute, mit zehn Jahren, stellt er zum wiederholten Male in New York aus. Seine farbenfrohen Gemälde verkauft er für fünfstellige Beträge bis zu 30.000 Euro. Wie lebt ein Wunderkind? Ein Atelierbesuch.

Die Bilder des Wunderkindes Mikail Akar
9 Bilder

Die Bilder des Wunderkindes Mikail Akar

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Foto: Gundhild Tillmanns

„Millionär bin ich noch nicht“, sagt der zehnjährige Maler Mikail Akar. Allerdings hat das Wunderkind bereits eine sechsjährige internationale Karriere hinter sich. Sein höchstdotiertes Bild verkaufte er nach Wien für 30.000 Euro. Aber auch etliche Werke hängen mittlerweile in Villen in den USA. In New York, wird er in diesem Jahr bereits zum vierten Mal ausstellen. Geplant ist auch eine Präsentation in Soho und eine weitere möglicherweise in einem prominenten Gebäude in der Weltstadt: Stolz erzählt dies Mikails Vater und Manager Kerem Akar bei einem Atelierbesuch in Köln.

Wie lebt es sich als Wunderkind? Seit der ersten Klasse besucht Mikail die Internationale Schule in Köln. Deshalb spricht er besser Englisch als Deutsch. Daheim wird außerdem oft Türkisch gesprochen. „Ich kann mich mit allen Leuten in der Welt auf Englisch unterhalten. Das macht Spaß“, erzählt der Zehnjährige über seine internationalen Ausstellungen und Begegnungen mit namhaften, erwachsenen Künstlern. „Ich male, weil es mir Spaß macht“, betont das Wunderkind. Sein Vater versichert: „Wir bauen keinen Druck auf. Mikail malt ungefähr acht Bilder im Monat, meistens an den Wochenenden.“ Für New York, London, Dubai könne aus dem großen Bilderbestand geschöpft werden, der sich während der Pandemie angehäuft habe.

Mit viel Marketing-Geschick hat der Vater die Marke „Mikail Akar“ geschaffen. Professionelle Videos und Beiträge bei Facebook gehörten von Anfang an dazu. „Durch Social Media ist das Fachpublikum auf Mikail aufmerksam geworden“, berichtet Kerem Akar. Kunsthistoriker und andere Experten bescheinigen dem Wunderkind schon seit Jahren, dass er keine Kinderbilder malt, sondern „echte Kunstwerke“ schafft. Dies tut er intuitiv und aus einer überbordenden Fantasie und Freude an der Farbharmonie.

Für die Familie des Wunderkindes hat sich seither viel verändert. Die Eltern, eine Tante, ein Grafikdesigner sind mittlerweile regelrecht bei dem Zehnjährigen als „Team Mikail“ angestellt. In den USA und in München gibt es ebenfalls feste Mitarbeiter. Ein Kostenapparat, zu dem die Miete für zwei bis zu 290 Quadratmeter große Atelier- und Galeriehallen in der Nähe des Kölner Hauptbahnhofes gehören ... ganz zu schweigen von den Materialkosten. Denn Mikail malt nicht nur großflächig, sein Lieblingsleinwandformat ist 120 mal 140 Zentimeter: „Mikail ist größer geworden und mit ihm sind auch seine Bilder gewachsen“, fügt sein Vater hinzu. Der talentierte Junge braucht auch mehr als reichlich hochwertige Acrylfarben, die er dick und unverdünnt auf die Leinwände malt, oder auch direkt aus der Tube schwungvoll auf die am Boden liegenden Maluntergründe schleudert.

Als Mikail seine ersten Ausstellungen vor fünf Jahren - übrigens auch im kleinen Jüchen, im Dycker Weinhaus, hatte, - war sein Vater noch als Personaldisponent beschäftigt, die Mutter arbeitete in der Gastronomie. Inzwischen hat der Vater eine eigene Künstleragentur gegründet, die neben dem Sohn auch andere Maler betreut. „Ich bin inzwischen Vollzeit bei Mikail angestellt“, gibt Kerem Akar zu. Das gilt auch für die Mutter.

Allerdings hat Mikail noch eine siebenjährige Schwester und einen dreijährigen Bruder. „Die haben auch ein Maltalent mitbekommen“, berichtet Kerem Akar. Zumindest bislang ist aber Mikail der „King“, was seine Malerkarriere anbelangt, aber auch seine Bilderthemen. Denn er malt neben freien, abstrakten „Farbexplosionen“ auch immer wieder gerne seine Fantasie-Könige. Plakativ und reich an geometrischer Ornamentik entstehen so immer wieder neue Könige, die an einer mehr oder weniger ausgearbeiteter Krone zu erkennen sind. Diese Könige sind freundlich, humorvoll und raumgreifend. Mikail, warum malst du immer wieder solche Könige? „Ich stelle mir vor: Du bist der König. Ich bin der, der bestimmt“, sagt der Zehnjährige selbstbewusst und fügt hinzu: „Mein Vorbild bin zuerst ich.“ Doch schnell fällt ihm auch ein: „Ich habe auch noch andere Vorbilder.“ Das seien Jean-Michel Basquiat und Jackson Pollock, deren Werke er in New York kennengelernt habe. Aber auch Gerhard Richter sei sein Vorbild: „Den möchte ich gerne mal kennenlernen“, wünscht sich der Nachwuchsmaler.

Doch wie soll es weitergehen mit dem Wunderkind, wenn er kein Kind mehr ist, wird seine Kunst dann auch noch gefragt sein? „Ich habe einen Traumberuf, Architekt, aber Künstler werde ich trotzdem mein Leben lang bleiben“, „weiß“ der Zehnjährige bereits. Sein Vater erdet ihn aber auch sofort: „Wenn du Architekt werden willst, muss die in Mathematik besser werden.“ Mikail komme in der Schule zwar gut zurecht, aber in Mathe benötige er Nachhilfe. Der Tagesablauf des Wunderkindes hört sich ganz normal an: Bis 16.15 Uhr besucht er die Schule, wo er auch seine Hausaufgaben macht. Zu Hause isst die Familie nach der Schule gemeinsam. Dann bleibt Zeit zum Skateboard- oder Fahrradfahren, auch um Freunde zu treffen. Samstag und Sonntag gehts dann ins Atelier. Zurzeit aber nicht, denn Mikail hat einen ganz besonderen Auftrag: Er bemalt drei Oldtimer, unter anderem einen VW-Bus.

Die fahrbaren Kunstwerke sollen fertig werden bis zum Ende seiner aktuellen Ausstellung, die am 26. Februar im Schloss Bensberg/Bergisch Gladbach eröffnet wird. Am 29. April werden bei der Finissage fünf Bilder von Mikail Akar zugunsten der Ukraine-Hilfe von Wladimir Klitschko versteigert. Ein weiteres Bild versteigert Mikail zurzeit online für die Erdbebenopfer in der Türkei. Auch für die Kinderhospizhilfe und sogar im New Yorker Guggenheim-Museum hat Mikail schon Bilder für Charity-Aktionen gespendet.

 Mikail Akar mit einer Mineralwasserflasche, deren Etikett er gestaltet hat.

Mikail Akar mit einer Mineralwasserflasche, deren Etikett er gestaltet hat.

Foto: Gundhild Tillmanns
"Alles bunt", hat Mikail Akar an eine Wand in seinem Atelier geschrieben. An den Wänden probiert er die Farben aus, bevor er die Leinwände bemalt.

"Alles bunt", hat Mikail Akar an eine Wand in seinem Atelier geschrieben. An den Wänden probiert er die Farben aus, bevor er die Leinwände bemalt.

Foto: Gundhild Tillmanns
 Mikail Akar mit Drucken seines Bildes, das er auch als Aufkleber für Mineralwasserflaschen gestaltet hat.

Mikail Akar mit Drucken seines Bildes, das er auch als Aufkleber für Mineralwasserflaschen gestaltet hat.

Foto: Gundhild Tillmanns
 Eines der sehr großen Bilder des zehnjährigen Mikail Akar.

Eines der sehr großen Bilder des zehnjährigen Mikail Akar.

Foto: Gundhild Tillmanns
Mikail Akar malt an  einem neuen Bild...und es wird wieder ein König, sein Lieblingsmotiv zur Zeit.

Mikail Akar malt an einem neuen Bild...und es wird wieder ein König, sein Lieblingsmotiv zur Zeit.

Foto: Gundhild Tillmanns
Mikail Akar in seinem Atelier in Köln.

Mikail Akar in seinem Atelier in Köln.

Foto: Gundhild Tillmanns
 Mikails  Vater Kerem Akar hat sich dieses Bild seines Sohnes auf den Arm tätowieren lassen.

Mikails Vater Kerem Akar hat sich dieses Bild seines Sohnes auf den Arm tätowieren lassen.

Foto: Gundhild Tillmanns
Mikails Vater Kerem Akar hat sich ein Lieblingsbild seines Sohnes auf den Arm tätowieren lassen.

Mikails Vater Kerem Akar hat sich ein Lieblingsbild seines Sohnes auf den Arm tätowieren lassen.

Foto: Gundhild Tillmanns

Aber es gibt auch Bilder, die unverkäuflich sind, ebenso wie der Zehnjährige auch Auftragsarbeiten schon abgelehnt hat. „Ich sollte ein Werbeplakat für bunte Hemden malen, dazu hatte ich aber überhaupt keine Lust“, erzählt er. Die Bilder, an denen er oder sein Vater besonders hängen, bleiben daheim in Pulheim. Und einen der vielen Fantasiekönige seines Sohnes hat sich der Vater sogar auf einen Oberarm tätowieren lassen. Auf dem anderen Arm ist das Signet des jungen Künstlers eingeritzt. Doch Mikail legt Wert auf eine gewisse Unabhängigkeit: „Mein Vater gibt mir schon mal Tipps, was ich malen soll. Aber da höre ich nicht drauf“, gibt er selbstbewusst zu. Auf keinen Fall möchte Mikail die Realität abbilden, deshalb kommen seine Lieblingstiere, der Elefant und der Tukan-Vogel, auch nicht auf seinen Gemälden vor. Da bleibt er in seiner farbenfrohen Fantasiewelt und sagt dazu: „Ich gucke mir immer selbst beim Malen zu.“