Jim-Rakete-Ausstellung in Hamburg: Keine Schminke, kein Aufwand, kein Photoshop

Jim-Rakete-Ausstellung in Hamburg: Keine Schminke, kein Aufwand, kein Photoshop

Hamburg (RPO). Der bekannte Fotograf Jim Rakete entschloss sich 2007 zu einer gewagten Tour de Force durch Deutschland. Er schnappte sich eine seiner betagten Linhof-Plattenkameras und machte sich auf, bei natürlichem Licht und elend langen Verschlusszeiten die prägenden Personen des Landes zu fotografieren: ungeschminkt, ohne Aufwand, ohne glättenden Photoshop. Diese Fotos sind jetzt in einer Ausstellung zu sehen.

Es sind Aufnahmen von Gesichtern, die man sicher zu kennen glaubt, weil man sie jeden Tag im Fernsehen und in Magazinen anschaut. Und doch ist es etwas anders durch die Konzentration, die eine Plattenkamera einfordert.

Die Achtelsekunde Belichtungszeit: ein Wimpernschlag der klassischen Fotografie, ein Innehalten, das es in den schnellen Medien nicht mehr geben darf – für Rakete ist es der Lohn der beidseitigen Konzentration.

Bekannte und alte Bekannte

Das Personal auf den Bildern ist ein Querschnitt durch das Personal des Landes, es besteht mithin aus Bekannten und alten Bekannten. Hätte man das Projekt Mit unbekannten Menschen hätte man dieses Projekt vermutlich nicht machen können. Diese haben kein öffentliches Bild, an dem man solche Fotos messen könnte.

In der Ausstellung sind unter anderem Fotografien von Wim Wenders, Peter Stein, Moritz Bleibtreu, Jenny Holzer, Helmut Schmidt, Christoph Waltz und Natalie Portman zu sehen.

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Sie werden ergänzt durch eine Portraitserie, die in Zusammenarbeit mit der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein entstanden ist. Gezeigt werden unter anderem Bilder von Hannelore Hoger, Martina Gedeck und Kostja Ullmann, die mit persönlichen Statements ihre Verbundenheit zur Filmlandschaft im Norden dokumentieren.

Jim Rakete, am Neujahrstag 1951 in Berlin geboren, stürzte sich bereits zur Schulzeit mit der Kamera ins Getümmel von Rockkonzerten, Studentenunruhen, Theaterproben und Dreharbeiten, bis sein Wackelkontakt zur Schule Ende der Sechziger abbrach.

Nach einigen Jahren Tageszeitungsfotografie, Magazinreportagen und Plattencovern gründete er 1977 in Berlin Kreuzberg mit Freunden eine Kreativwerkstatt namens Fabrik Rakete, die sich unversehens zu einem Trendlabor und Management weiterentwickelte. Die Fabrik betreute Acts wie die Nina Hagen Band, Interzone, Spliff, Cosa Rosa, Edo Zanki, Nena und die Ärzte und übersetzte die visuelle Sprache der Szene in die Medien.

Ende der Achtziger war diese Mission abgeschlossen. Rakete machte eine Kehrtwende zur Fotografie und erschloss den Backstage-Bereich von Persönlichkeiten mit der Kamera, eher sensibel als plakativ, und gern in klassischem Schwarzweiß.

Die zeigt vom 12. März bis zum 6. Mai 2010 die Ausstellung "Vertraute Fremde" mit Schwarzweiss-Bildern von Jim Rakete.

(csr/csi)