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Interview mit Ben Becker: "Jesus Christus? Den liebe ich!"

Interview mit Ben Becker : "Jesus Christus? Den liebe ich!"

Der Schauspieler Ben Becker (43) nennt seine Bibelrezitation zusammen mit dem Deutschen Filmorchester Babelsberg und der Zero Tolerance Band eine gesprochene Symphonie. Anfang Oktober wird er in Köln und Dortmund zu erleben sein.

Er grummelt, er tost und grollt: Ben Becker versucht auf seine Art, das Alte Testament im Vortrag — begleitet von Musik und surrealistisch anmutenden Filmsequenzen mit Leben zu erfüllen. Die ersten Aufführungen der Bibel-Show haben ein großes Publikum erreicht. Allein auf dem Katholikentag in Osnabrück verfolgten über 10 000 Menschen diese inszenierte Bibel-Lesung.

Wie sind Sie auf die Bibel gekommen?

Becker Eine Initialzündung für mich war der Song "He' Alive" von Dolly Parton über die Auferstehung. Das Lied wollte ich immer singen. Aber warum ich dann in meiner Bibliothek nach oben gestiegen bin und mir das Alte Testament rausgesucht habe, das kann ich wirklich nicht sagen. Nur ganz allmählich bin ich auf den Gedanken gekommen, dass es doch spannend sein könnte, aus dem Buch der Bücher vorzulesen.

Hat das Buch der Bücher Sie denn verändert?

Becker Natürlich hat es mich schon sehr nachdenklich gemacht. Wobei ich jetzt nicht jeden Sonntag in die Kirche renne. Nach wie vor bin ich kein christlich tief verwurzelter Mensch. Aber die Geschichten der Bibel haben mich beeindruckt und etwas mit mir gemacht.

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Sind Sie denn gläubig?

Becker Darüber rede ich nur ungerne, weil es zu privat ist. Über die Frage, wer oder was Gott ist, hat sich die Menschheit in den zurückliegenden 2000 Jahren auf bestialische Weise den Schädel eingeschlagen. In diese Diskussion will ich mich nicht einmischen. Meine Definition von Gott bleibt bei mir. Ein befreundeter Pater hat mir einmal gesagt: In dem Moment, in dem man sich auf die Suche nach Gott begibt, ist man ihm so nah, wie man es nur irgendwie sein kann. Für mich ist das ein guter Satz.

Was fasziniert Sie eigentlich an der Bibel?

Mit reichlich Pathos — wie ich auf dem Katholikentag erleben konnte.

Becker Ja.

Vielleicht mit zu viel Pathos, zu starken Emotionen?

Becker Komischerweise habe ich eher das Gefühl, dass ich mich zurücknehme. Ich versuche eben, sehr nah am Text zu sein — und da ist viel Pathos drin. Wer mir vorwirft, mein Vortrag sei zu emotional oder zu brachial, dem antworte ich — Kinder, ich lese nicht Mickey Maus. Lest doch das Alte Testament selbst einmal. Das ist gewaltig, was da erzählt wird: Die Schöpfung der Welt in nur sieben Tagen! Und was ist mit Samson, der sich gegen die Säulen stemmt und einen ganzen Palast mit 3000 Männern und Frauen zum Einsturz bringt! Wenn das nicht allgewaltig ist, dann weiß ich es nicht.

Ist Ihr Vortrag eine Art Predigt?

Becker Ich predige nicht. Ich will nicht bekehren — weder mich noch die anderen. Aber natürlich erinnert es sofort an eine Predigt, wenn ich aus der Bibel rezitiere . . .

. . . zumal Sie auf der Bühne auch hinter einer Art Kanzel mit Kreuz stehen.

Für Diskussion sorgt auch der mächtige Totenkopf-Ring an ihrer Hand. Fürchten Sie nicht, damit die biblischen Texte zu konterkarieren?

Becker Ich konterkariere sowieso. Den Totenkopf habe ich vor Jahren von einem Musiker geerbt, und er erinnert mich, dass mein Kopf irgendwann auch so aussehen wird.

Was bedeutet Ihnen Jesus Christus?

Becker Den liebe ich. Für jeden von uns hing dieser Mann am Kreuz. Der ist für mich ein Revolutionär, ein großartiger Mann, den man für das, was er gemacht hat, vielleicht auch heute kreuzigen würde.

Lothar Schröder führte das Gespräch.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Ben Becker zurück auf der Bühne

(RPMANTEL)