Heinz Mack im Goethe-Museum in Düsseldorf: In Macks Kosmos

Düsseldorfer Goethe-Museum: In Macks Kosmos

In einer Ausstellung im Düsseldorfer Goethe-Museum begegnen sich der deutsche Klassiker und der avantgardistische Zero-Gründer Heinz Mack. Das Werk des Künstlers erscheint als Spiegelbild zur Ideenwelt des Dichters.

Mack hat schon als junger Mann Goethe als Verwandten seiner Seele auserwählt. Andersherum wäre es nicht möglich gewesen. Die beiden Männer trennen mehr als 200 Jahre - von der Postkutsche zu Raumschiff und Rakete. Den malenden Dichter und den dichtenden Maler eint indes ihre Universalität, ihr interdisziplinärer Forschergeist, ihre Zukunftsorientiertheit, ihre interkulturelle Offenheit. Und ihre Liebe zur Farbe. Licht ist Farbe, heißt es bei Mack - und Farbe ist Licht.

Jetzt sind die beiden Größen, der deutsche Klassiker und der Avantgarde-Künstler der Nachkriegszeit, vereint. In einer erlesenen Ausstellung im Düsseldorfer Goethe-Museum begegnen sie sich in der Besonderheit und Parallelität ihrer beiden Werkgefüge. Dabei entspannt sich ein frohlockender Dialog zwischen den Wahlverwandten.

Manchmal fragt man sich, was von Mack und was von Goethe ist. Zum Beispiel beim Anschauen der frühen Zeichnungen, die Heinz Mack 1947 anfertigte, auch im Rahmen seiner Bewerbung an der Kunstakademie. Schwarz-weiß in Graphit gezeichnete Naturstudien etwa, die sich von den Pflanzenstudien von Goethe in der Vitrine wenig unterscheiden.

Oder Goethes vielleicht berühmtestes Schmuckblatt, das in der einzigartigen Düsseldorfer Sammlung zu Hause ist: "Ginkgo biloba" heißt das Gedicht aus dem West-östlichen Divan, in Schönschrift verfasst, datiert auf den 15. September 1815. Goethe hat die drei lieblich verschlüsselten Strophen mit Tinte ins Reine geschrieben, darunter mit einem zur Schlaufe gelegten Papierstreifen zwei getrocknete Blätter des Ginkgo-Baumes drapiert. Über der in einer Vitrine ruhenden Kostbarkeit hängt eine silbrig schimmernde Flügelarbeit von Heinz Mack. Frappierend ist die Ähnlichkeit von Goethes getrockneten Blättern und Macks zu Flügeln geformten abstrakt-silbrigen Reliefs.

Die Ausstellung "Taten des Lichts. Mack & Goethe" hält selten oder noch nie gezeigte Schätze des Zero-Mitbegründers vor, etwa 90 an der Zahl, gattungsübergreifend von der Zeichnung und Malerei über Fotografie und Skulptur zum Rotor und Licht-Ventilator. Für die Ausstellung in Goethes Düsseldorfer Dependance, dem Barockschloss, das seine umfassendste deutsche Sammlung beherbergt, wurden Werke aus verschiedenen Museen entliehen. Rund 200 sind von beiden Meistern gegenübergestellt, der ungestüme, alles überstrahlende Mack neben dem leise glühenden Goethe. So entsteht eine Entdeckungsreise, auch ein Experimentierfeld, eine Spurensuche unter dem Diktat zweier Farbenlehren. Bis auf seine wagemutigen Land-Art-Expeditionen und die großen Stelen finden sich viele von Macks Stilen des nun sieben Jahrzehnte umspannenden Lebenswerks in Räumen wieder, die nach Qualitäten sortiert wurden wie Licht als Farbe oder Licht und Schatten. Ein kleinerer Raum heißt Struktur und Morphologie, ein weiterer Licht und Bewegung. Gülden überbordend glänzt es im Obergeschoss unter der Inspiration Orient.

Farbe ist fast überall. Mit eindringlichem, oft aufdringlichem metaphysischen Leuchten. Farben stellen Körper, Räume her, auf der Fläche und über die Fläche hinaus. Farben versetzen den Betrachter in Stimmung, den Künstler nicht minder, der von Temperament und Temperatur berichtet. Große abstrakte Blumen mit gezacktem Blattwerk hat Mack auf riesige Leinwände gemalt, Rosen, Rosetten in den Regenbogenfarben. Auch Sonnen, Monde, Sterne. Mal vereint, anderswo vereinzelt. Die Kugel beschäftigt den Künstler seit den 1960er Jahren, früher schuf er sie aus Glas, es waren arme Zeiten, Material war teuer.

In jüngster Zeit nimmt Mack Bezug auf Goethe, der in Weimar den "Stein des guten Glücks" aus Stein schuf. Kuratorin Barbara Steingießer sagt, dass Goethe damit das erste abstrakte Denkmal der abendländischen Kunstgeschichte gelang. Heinz Mack spiegelt dieses in poliertem Edelstahl, setzt eine Platte zwischen Kugel und Sockel, entwickelt eine Dreiteilung, wo Goethe die Dualität des Schicksals, das Kommen und Gehen, thematisierte. Mack ist ein Mann der dritten Dimension. "Wir leben in einer interstellaren Welt", sagt er mit Nachdruck. Mit seiner Zero-Rakete hatte er diese Dimension früh eröffnet.

In Macks Kosmos ist auch Düsternis, schwarz-weiße Gemälde und unfarbige Raster zeugen von der Meisterschaft des Rhythmikers. Eine Reihe von Rotoren hat die Kuratorin vor einen großen Spiegel gesetzt, Farbe wird per LED durch einen Ventilator geschleudert. Goethe schuf ein Kartenspiel mit modernen Motiven. Den Menschen seiner Zeit riet er, durch ein Prisma auf diese Karten zu schauen, um zu sehen, wie Farbe sich verhält. Ein spannender Versuch, der mit den Originalkarten nachgestellt wird. Noch spannender ist Macks Antwort mit Gemälden dieses Farbphänomens.

Eine "Sonderausstellung" nennt der Künstler die Schau zu Recht wegen der Kraft ihrer farbigen Bilder, die in einer digitalen Welt bestehen.

(RP)