Heinz Mack im Goethe Museum: Er will nichts zum Geburtstag - er schenkt lieber selbst

"Taten des Lichts": Er will nichts zum Geburtstag - Heinz Mack schenkt lieber selbst

Kinderaugen sollen leuchten – unter diesem Motto spendet der weltberühmte Künstler Heinz Mack zehn exklusive Grafiken mit farbigem Quadrat. Insgesamt gibt es 70 Stück. Unsere Abonnenten bekommen einen Preisnachlass.

Federnd läuft Heinz Mack übers Düsseldorfer Altstadtpflaster zum Signieren seiner Arbeiten. Die Sonne bescheint seinen Weg am frühen Morgen. Niemand wird glauben, dass der Künstler nächste Woche, am 8. März, 87 Jahre alt wird. Jung in der Bewegung, jung im Herzen ist er. Zum Geburtstag will er nichts geschenkt haben. Er schenkt lieber selbst. Kunst voller Farbe und Licht. Kunst, die Kraft weiterreicht. "Ich bin immer bereit zu helfen", sagt Mack. Dass Kinderaugen leuchten, wünscht er sich, der als Kind und junger Mann große Not durchlitt.

Egal, wie man die „Taten des Lichts“ hängt, ob quer, hoch oder diagonal – Mack findet das alles „ganz großartig“. Foto: Andreas Krebs

Drei weiße extraweiche Stifte hat er mitgebracht, um seinen Namen grafisch-pointiert auf das dunkle Blatt aufzubringen. Ohne Brille macht er das. Die vier Buchstaben M-A-C-K sind wie gestochen. Auch noch beim 70. Mal. Ein bisschen erinnern sie an alte Sütterlin-Schrift. "Gut, dass ich nicht von Brockmeyer-Schmitz heiße", witzelt der Künstler. Die zehn mit römischen Ziffern nummerierten Blätter kommen zuerst dran, dann 60 weitere. Mucksmäuschenstill ist es im Raum, drei Männer legen die Blätter um, es riecht nach frischer Druckfarbe. Am Schluss sind zwei Extra-Signaturen fällig, der Künstlerabzug E.A. (épreuve d'artiste) und der Drucker-Beleg P.P. (printers proof).

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Mack ist ein Mann der Tat. Der sich nicht vorstellen kann, einmal im Leben die Hände in den Schoß zu legen. Von früh morgens bis abends malt und zeichnet er Bilder, plant und erschafft Skulpturen. Gerade erst hat er einen riesigen Marmorblock aus dem italienischen Carrara zu Hause, auf seinem idyllischen Huppertzhof in Mönchengladbach, in Empfang genommen. In Südamerika und China hat er Stein gekauft für über 1 00.000 Euro. Mit fast 90 führt seine Hand den Presslufthammer, manchmal, je nach Tagestemperatur, zitterten ihm schon mal die Hände. Das sagt er fast kokettierend. Eigentlich, so steht es auf seiner Visitenkarte, sieht sich der in Osaka ernannte Kunstprofessor in erster Linie als Bildhauer. Nur ungern lässt er sich aus seinem rundum verglasten Atelier herauslocken. Arbeitet er in seinem Zweitwohnsitz auf Ibiza, kommt erst recht niemand an ihn heran. Interviews habe er im Leben genug gegeben, sagt er, auch lässt er sich nur ungern fotografieren.

"Taten des Lichts" heißt die Grafik, von der der Künstler die ersten zehn Exemplare mit römischen Ziffern für eine Benefizaktion hergibt, den Erlös spendet, Kindern hilft, denen es nicht gut geht. Mit ihm verzichtet Galerist Till Breckner auf sein Honorar. Der Titel des auf dunklem Grund farbexplodierenden Quadrats bezieht sich auf Goethe, der einst schrieb: "Farben sind Taten des Lichts, Taten und Leiden." Mit Goethes 1810 erschienener Farbenlehre, an deren 1400 Seiten der alte Geheimrat wohl 40 Jahre geschrieben hat, setzt sich Heinz Mack ebenfalls schon, seit er mit dem Studium begann, auseinander.

So wie Goethe es tat, befasst sich Mack intensiv mit Farben. Die Kraft und Sinnlichkeit einer einzigen Farbe auslotend, ferner die Kombination der reinen Farben und ihrer Zwischenwerte sowie die Wirkung von Licht und Schatten. Dazu schreibt er in seinen Reflexionen: "Farbe und Licht, Licht und Farbe, Farbe als Licht, Licht als Farbe, Farbe im Licht, Licht in der Farbe – das ist auch eine Art Kunstgeschichte."

So wie in der Musik die Töne chromatisch in nah beieinanderliegenden Halbtonschritten voranschreiten, höher oder tiefer werden, so sind es bei Mack die Farben, die sich von Stufe zu Stufe wenig und doch deutlich weiterverwandeln, heller oder dunkler, leichter oder schwerer, dichter oder durchscheinender werden. Vom zartesten Gelb wandert das Auge zum dunkelsten Blau – fünf Blautöne gibt es, für den Druck brauchte es 31 Siebe. Ein Gitter aus Weiß hält die Quadrate zusammen. Der Umraum aus Schwarz und Violett könnte der Kosmos sein. Ein Kosmos mit Raster, ein Universum, das vibriert. Halbierte runde Holzstäbe montiert der Künstler waschbrettartig für dieses Bild über hochwertiges Bütten-Papier, so entsteht Struktur. Die Pastell-Stifte aus reinem Pigment liefern höchste Farb- und Lichtqualität. Züngelnde Linien bringt er mit seinen Fingern auf, entzündet regelrechte Farb-Feuerchen. Wohl eine Strategie gegen die Strenge.

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So wie Goethe auf seinen Italienreisen vom Licht angezogen war, so liebt auch Mack das Licht des Südens, das er auf Ibiza einfängt. "Das Glück, welches mir Farben bereiten", sagt er, "ist durch nichts zu ersetzen." Man sieht, das Herz kann so dominant sein wie der Kopf. Philosophie beschäftigt Heinz Mack von jeher, wie auch die Musik. All das fließt ins bildnerische und skulpturale Werk, das über sechs Jahrzehnte umspannt. Die "Taten des Lichts" tanzen wie das Licht, Mack hat das Original hochkant signiert, das Quadrat steht auf der gelben Spitze. "Oben das Rot, so mach ich das", sagt Mack, "das Schwere immer nach oben." Die Drucke werden querformatig signiert. Zur Überraschung aller sagt der Künstler: "Man kann das Bild auch diagonal aufhängen." Warum nicht? "Dann ist es ein fliegender Teppich", sagt er, "das finde ich sehr aufregend, ganz großartig!" Mack sagt auch: "Meine Arbeit hat nur indirekt mit Physik zu tun." Es zählt die seelische Verfasstheit, die steuert die Temperatur. Mack bewegt sich frei in chromatischen Farbleitern, Kreisen und Quadraten, verfolgt seine eigene Farbtheorie, "nicht zu verwechseln mit der von Herrn Goethe". Ein Freigeist ist er. "Ich male gerne verwirrte Farben ohne jede Maßregelung der Wissenschaft."

Das Signieren war anstrengend. Jetzt dreht Mack seine Schultergelenke. "Ich finde, es ist ein sehr schönes Blatt geworden. Wer daran vorbeigeht und gar nichts gesehen hat, der sollte zum Augenarzt."

Das Projekt

Stiftung Heinz Mack stiftet von seiner Grafik "Taten des Lichts" eine exklusive römisch signierte Zehnerauflage für den guten Zweck. Kinder im Düsseldorfer Kinderhospiz Regenbogenland sowie Kinder, die Patienten im sozialpädiatrischen Zentrum der Uniklinik (SPZ) sind, werden es im Alltag leichter haben durch diese großzügige Spende, der sich der Galerist Till Breckner anschließt, indem er auf seinen Anteil verzichtet. Im Kinderhospiz soll ein Gedenkraum im Außenbereich entstehen, im SPZ ein kindgerechter Warteraum.

"Taten des Lichts"

Grafik Das Motiv entstand 2018, die Druckauflage beträgt 70 Grafiken; neben zehn römisch signierten erscheinen 60 arabisch signierte im Format H 100,3 x B 130,4 cm, signiert unten rechts (ungerahmt).

Preis Für RP-Leser 7.900 Euro (Bestellung solange verfügbar bei Bestelleingang bis 15.3.2018). Späterer Listenpreis: 8.600 Euro.

Besichtigen Im Goethe-Museum Düsseldorf und in der Galerie Breckner, Altestadt 7, Düsseldorf.

Bestellen Telefonisch unter 0211 505-1948 (heute von 10 – 16 Uhr, danach Mo.-Fr. von 10 – 16 Uhr). Per Mail an: bestellungen@rheinische-post.de

(RP)