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Gesellschaftssatire von Bonny & Wissel bei Julia Stoschek

„Rheingold“-Version der Volksbühne : Julia Stoschek verschenkt einen Film

Die Mäzenin bietet die Gesellschaftssatire „Jupp, watt ham wer jemaht“ von Jan Bonny und Axel Wissel auf ihrer Internet-Plattform an. Der Film dokumentiert die viel besprochene „Rheingold“-Fassung der Berliner Volksbühne.

Ein wunderbares Angebot macht Julia Stoschek. Sie bietet die Gesellschaftssatire „Jupp, watt ham wer jemaht“ von Jan Bonny und Alex Wissel gratis auf ihrer Internet-Plattform an. Jedermann kann sie streamen. Es handelt sich um die Volksbühnen-Fassung von „Rheingold“, der „Geschichte eines Aufsteigers, eines Hochstaplers, eines schwachen Menschen“, wie es in der Einleitung heißt. Es ist aber auch die Geschichte des Neoliberalismus und des Joseph Beuys. Da die Autoren beim Rundumschlag sind, bekommen sie alle ihr Fett weg.

Der gebürtige Düsseldorfer Filmregisseur Bonny und der Wahldüsseldorfer und frisch gebackene Malereiprofessor Wissel an der Kunstakademie Münster rechnen mit allem ab. Dabei dient Helge Achenbach, der „Collage-Künstler“, der Rechnungen und Euro-Zeichen zusammenklebte, als Galionsfigur. Tatsächlich geht es auch um die SPD der Schröder-Jahre, um den Vergleich der Sozis mit einem hungrigen Hund nach dem Motto: „So wie ein Hund unfähig ist, sich einen Wurstvorrat anzulegen, so sind die Sozialdemokraten unfähig, Geldvorräte anzulegen.“

  • Regisseur Sönke Wortmann.
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  • Volker Schlöndorff im Bambi-Kino.
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  • Coach Marco Schacht (rechts) und Co-Trainer
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Zur furiosen Mischung aus Witz und Kritik gehört die Persiflage der westdeutschen Kultur an der Jahrtausendwende. In diesem Sittenspiel über die Rolle der Kunst und den Verlust politischer und humanitärer Werte einer ganzen Generation steht das berühmte Beuys-Diktum im Mittelpunkt, dass jeder Mensch ein Künstler sei. Das Duo dreht den Spieß um und zeigt die Kehrseite von Wirtschaftswerten und erweiterten Kunstbegriffen in einer Ich-AG. Als Kulisse dient ihnen einerseits eine übergroße Version der Capri-Batterie von Beuys als Sonne und Ottmar Hörls Euro-Skulptur vor der ehemaligen EZB in Frankfurt als Mondgesicht und Symbol des Kunstbetriebs.

Der Epilog endet in einer atemberaubenden Filmszene: Helge Achenbach, der gleich bei der ersten Begegnung mit Berthold Aldi als einem der reichsten Deutschen nicht etwa Herzklopfen, sondern „Geldklopfen“ bekommt, trägt seinen eigenen Überlebenskampf aus, als er mit und über dem sterbenden Konzernchef liegt und ihn verzweifelt bittet, nicht zu sterben, damit sie „Hand in Hand“ als Kunstberater und Kunstkäufer weiter machen können. Es hilft nichts. Berthold stirbt. Und Helge wandert in den Knast, aus dem er längst entlassen ist, was der Film von 2017 nicht wissen kann.

Schade, dass die Düsseldorfer Akademie den Querkopf Wissel nicht selbst zum Professor gemacht haben, wie es die Münsteraner taten. Nun bringt der 38-Jährige von Münster aus frisches Blut in die hiesige Szene, indem er „Agis Bistro“ an der Ackerstraße 5 wieder aufleben lässt. Seine eigene „Klasse Wissel“ präsentiert das Projekt einer „künstlerischen Selbstorganisation“. Wenn schon nicht die Museen die jungen Leute zeigen, dann müssen sie eben lernen, sich selbst zu vernetzen. Die Ausstellungsreihe beginnt am 5. Juni und dauert sechs Wochen.

Info Hier ist der Film zu sehen: https://www.jsc.art/videos/jupp-watt-hamwer-jemaht/