documenta: "Auschwitz on the Beach" abgesagt

documenta in kassel: Umstrittene Performance "Auschwitz on the Beach" abgesagt

Nach heftiger Kritik ist die umstrittene Performance "Auschwitz on the Beach" zur documenta in ihrer bisherigen Form abgesagt worden. In dem Stück wurden Parallelen zwischen dem Holocaust und der Situation der Flüchtlinge am Mittelmeer gezogen.

Anstelle dessen werde es eine Lesung mit dem italienischen Künstler und Philosophen Franco Berardi unter dem Titel "Shame on uns" geben, wie eine documenta-Sprecherin am Dienstag sagte. Sie soll kommenden Donnerstag (24. August) stattfinden.

Kritik an europäischer Flüchtlingspolitik

Paul Preciado, documenta-Kurator für Öffentliche Programme, sagte, man habe sich wegen zahlreicher Beschwerden und Beleidigungen entschieden, die geplante Performance abzusagen. Der neue Titel bezieht sich demnach auf viele Zuschriften, die mit den Worten "Schämen Sie sich" geendet hätten.

Nach eigenen Angaben hatte Berardi den Namen "Auschwitz on the Beach" gewählt, um sich kritisch mit der europäischen Migrationspolitik auseinanderzusetzen. So hatte es im offiziellen Begleittext der documenta unter anderem geheißen, Europa errichte Konzentrationslager und bezahle die "Gauleiter in der Türkei, Libyen und Ägypten dafür, die Drecksarbeit entlang der Küsten des Mittelmeeres zu erledigen".

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Jüdische Gemeinde zeigte sich empört

Daraufhin war Kritik laut geworden, wonach allein die Ankündigung der Aktion den Holocaust relativiere. Kunstminister Boris Rhein (CDU) hatte die Performance im Hessischen Rundfunk "geschmacklos" genannt. Auch die jüdische Gemeinde hatte sich entsetzt gezeigt und die politisch Verantwortlichen dazu aufgefordert, sich zu positionieren.

Der künstlerische Leiter der documenta, Adam Szymczyk, erklärte, es gebe keineswegs die Absicht, den Holocaust zu relativieren.

(csi/dpa)