Neue Ausstellung im Bonner Haus der Geschichte: Die Macht der Zeichen

Neue Ausstellung im Bonner Haus der Geschichte: Die Macht der Zeichen

Unsere Welt steckt voller Zeichen. Sie müssen erlernt und interpretiert werden, damit es nicht zu Missverständnissen kommt. Das Bonner Haus der Geschichte zeigt in seiner neuen Ausstellung "Zeichen – Sprache ohne Worte" ihre Vielfalt, Bedeutung, Entwicklung und stellt verschiedene Interpretationsmöglichkeiten vor.

Unsere Welt steckt voller Zeichen. Sie müssen erlernt und interpretiert werden, damit es nicht zu Missverständnissen kommt. Das Bonner Haus der Geschichte zeigt in seiner neuen Ausstellung "Zeichen — Sprache ohne Worte" ihre Vielfalt, Bedeutung, Entwicklung und stellt verschiedene Interpretationsmöglichkeiten vor.

Das ist mächtig schief gegangen. Dabei hat es die Personalabteilung einer deutschen Firma nur gut gemeint. Um Fachkräfte aus dem Ausland anzulocken, gab sie eine Broschüre heraus, auf der eine Hand zu sehen war, die mit Daumen und Zeigefinger einen Kreis bildet. Die Geste steht hierzulande für Zustimmung und Exzellenz. Doch im Ausland kam die Werbung nicht gut an: Der Fingerring ist etwa in Frankreich, Spanien und Russland eine schwere Beleidigung.

Unsere Welt ist voll von Zeichen. Verkehrsschilder, Uniformen oder Palästinensertücher können als Zeichen verstanden werden, aber auch unsere Mimik und Gestik. Permanent senden wir sie an unsere Umwelt aus. "Wir können nicht nicht kommunizieren", stellte Kommunikationswissenschaftler Paul Watzlawick einmal fest — und jede Kultur tut das auf ihre Weise. Wie vielfältig unser Zeichensystem ist, zeigt die neue Ausstellung "Zeichen — Sprache ohne Worte", die zurzeit im Bonner Haus der Geschichte zu sehen ist.

Immer gleiche Gesten von Politikern

Politiker haben die Macht der Zeichen längst erkannt. So setzen sie in Talkshows die immer gleichen Gesten ein — und reichern so mitunter Worthülsen mit Bedeutung an. Die Ausstellung zeigt ihre beliebtesten Gesten. Erstens: der Zeigefinger. Er belehrt den Zuschauer, zeigt Klugheit und Führungsstärke. Zweitens: der Fingerring. Er hebt wichtige Argumente hervor. Drittens: die parallelen Hände, wie sie Kanzlerin Angela Merkel gerne einsetzt. Sie sollen zeigen: Ich habe ein klares Konzept. Die sogenannte Merkel-Raute, die die Kanzlerin ebenso häufig mit ihren Händen formt, steht für Dialog und Offenheit. Ex-Kanzler Gerhard Schröder war indes bekannt für seine Faust, die er oft als Symbol des Kampfgeistes in die Höhe streckte.

Aber nicht nur Politiker, jeder von uns benutzt Zeichen. Bewusst und unbewusst. Wer ein Kopftuch trägt, will seine Haare vor Wind schützen — oder seiner Religion Ausdruck verleihen. Wer sich tätowieren lässt, möchte seinen Körper verschönern — oder die Zugehörigkeit zu einer Gruppe demonstrieren. Im öffentlichen Raum werden Zeichen häufig verwendet, um Ordnung aufrecht zu erhalten. Die Ausstellung zeigt, wie viele Uniformen uns täglich begegnen — Polizisten, Schaffner, Vorgesetzte in Anzügen —, welche Macht sie ausstrahlen und wie schnell diese versiegt, wenn dieselbe Person ihre Uniform ablegt.

Viele Zeichen sind aber auch verloren gegangen. So zeigte ein DDR-Bürger Solidarität mit den Leipziger Demonstranten, indem er eine brennende Kerze ins Fenster stellte. Klebte er ein A auf die rechte Seite seiner Trabbi-Heckscheibe, bekundete er, dass er ausreisen wolle. Wurde das A auf der linken Seite angebracht, stand es für "Anfänger".

Hier geht es zur Bilderstrecke: Die Ausstellung "Zeichen - Sprache ohne Worte"

(RP/das)
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