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Die Kunstmesse Art Cologne findet nur im Internet statt

Wenig Überblick und ohne Kölsch : Digitales Durcheinander auf der Art Cologne

Der Online-Aufritt des Kunstmarktes aus Köln ist improvisiert und wird das Geschäft nicht leichter machen. Die Neuauflage der Art Cologne wird zum dritten Mal in den Herbst 2021 verschoben.

Rot-Schwarz-Weiß steht für eine rheinisch geprägte internationale Klasse der Kunst. Ein Markenzeichen in Großbuchstaben. Klick links oben: Der diesjährige Art-Cologne-Preisträger und Sammler Wilhelm Schürmann erteilt Selbstauskunft in einem Video. Daneben: die Preisträgerin für Kunstkritik, der siegreiche Kunstverein 2020. Weiter unten: Mönchengladbachs kühne Museumschefin Susanne Titz in einem Interview.

Der diesjährige Empfang zu Art Cologne ist anders als jemals zuvor. Es ist keine Zusammenkunft. Nicht inspirierend. Sondern ein Klick: didaktisch, dröge. Ein digitales Durcheinander.

Die Art Cologne wurde zum zweiten Mal im selben Jahr abgesagt, für 2021 erneut verschoben auf den Herbst. Jetzt läuft sie bis 29. November nur im Netz. Ein fader Aufguss des Nucleus für sehr viele Menschen im Kunstbetrieb: für Künstler, Sammler, Galeristen, Museumsleute, Sachverständige, Schaulustige und Schnäppchenjäger.

Der traditionell so quirlige internationale Marktplatz mit ausschweifenden Empfängen, sachkundigen Talks und frisch gezapftem Kölsch beim „Hasen“ ist jetzt zweidimensional im heimischen PC gefangen, auf dem Smartphone oder Tablet. Die Art Cologne, eine der ältesten und wichtigsten Kunstmessen international, ist für 2020 im allerletzten Moment dem Lockdown light zum Opfer gefallen. Die meisten Stände waren in den Deutzer Messehallen fertig aufgebaut, die Werke ausgewählt, die Erwartungen gedämpft, aber durchaus optimistisch. Erstmals sollte parallel die Cologne Fine Art & Design laufen – was für beide Märkte am Rhein eine Bereicherung und für das Publikum erbaulich gewesen wäre. Dann kam das Aus.

Außer Spesen nichts gewesen – so platt stellt sich das dar. Wer sich jetzt auf Reise ins Netz begibt, wird eine eher unübersichtliche Tour d’Horizon erleben.

Ob es genügend Kaufanreize gibt, darf bezweifelt werden. Der virtuelle Aufschlag wird der im Rheinland traditionell dominierenden Klientel der Privatsammler nicht zusagen. So werden sich Verkäufe minimieren, wenngleich schon rote Punkte kleben, die den Verkauf bezeugen.

Das Erlebnis fehlt. Man kann nicht von Stand zu Stand flanieren, die vertrauten Galerien ansteuern, fachsimpeln, verrückte Leute sehen, Promi-Klatsch und Einschätzungen austauschen, sensationelle Neuentdeckungen oder Schätze auftun. Im Netz muss man sich systematisch bewegen, um zum Ziel zu gelangen. Und man sollte das Ziel vor Augen haben.

Der vom Online-Spezialisten Artsy flankierte Auftritt macht es möglich ist, ein Kunstwerk maßstabsgetreu an einer Wand platziert zu sehen. Immerhin.

Die Kataloge stehen online, einige Galerien haben Online-Räume ins Netz gestellt, darunter etwa aus Düsseldorf vorbildlich die Kö-Galerie Setareh oder Achenbach Hagemeier, aus München die Galerie Thomas. Andere Galeristen leiten um zu ihren Onlineauftritten oder bieten nur einfach Bilder an wie Sprüth Magers Berlin mit den Düsseldorfer Fotohelden Andreas Gursky und Thomas Ruff. Zuletzt berichtete das Branchenonlineportal Artnet über einen massiven Preisverfall der Riesenformate Gurskys auf internationalen Auktionen. Insofern wären gerade die aktuellen Preise bei Sprüth Magers von Interesse. Die Galeristinnen favorisieren den Modus „auf Anfrage“, während andere Kollegen die Bilder etikettieren.

Besser als gar nichts sind die Bemühungen der Messe, online zu gehen, auf jeden Fall. Aber es ist „schmerzhaft“ für das ganze Rheinland und für Köln, wie der Direktor des Museums Ludwig, Yilmaz Dziewar, gestern beklagte.

Info www.artcologne.de