Foto-Ausstellung: Die andere Seite der Stadt

Foto-Ausstellung : Die andere Seite der Stadt

Köln (RP). Wer an Paris denkt, denkt an den Eiffelturm, die Seine und die Champs-Elysées. Er denkt weniger an die Banlieues, jene Vorstädte, in denen lange vor den Londoner Krawallen jugendliche Banden randalierten. Eine Ausstellung macht diese "Zwischenstadt" sichtbar.

Städte haben ihre Glanzpunkte und ihre düsteren Ecken, tote Gegenden mit tristen Gewerbeparks und kalter Gebrauchsarchitektur. Von diesen unwirtlichen Orten und ihrer psychosozialen Dimension kündet die anregende Ausstellung im Kölner Ludwig-Museum: "Nachrichten aus der Zwischenstadt" heißt sie.

15 internationale Künstler sind vereint; seit 2004 ist erstmals wieder der gesamte Zyklus "Los Alamos" von William Eggleston zu sehen. Seine 75 beiläufig entstandenen Arbeiten zeigen das, was zuvor nicht würdig war, fotografiert zu werden. Strenge Kompositionen, Menschen zwischen Schmutz und Asphalt — auch anekdotische Momente.

In Paris hat sich Andreas Gursky umgetrieben, einen modernistischen Wohnblock im Stadtteil Montparnasse fotografiert. Diese nach Le Corbusier entwickelte "Wohnmaschine" — die Vorbild für die hässlichen Plattenbauten der DDR war — hat Gursky in breitem Format abgelichtet. Aus der Entfernung scheint der Koloss nur als ein pixeliges, in Lehmbraun flackerndes, lebloses Panorama, als ein gigantischer Setzkasten für anonyme Architektur; aus der Nähe betrachtet, öffnen sich hunderte Fenster, die auf bunte Spuren eigenwilligen Lebens verweisen.

Gurskys Künstlerkollegen Thomas Struth und Thomas Ruff sind mit mehreren Arbeiten vertreten, einen eigenen Raum besetzen die renommierten Düsseldorfer in der Ausstellung. Streng und statisch fallen ihre Untersuchungen aus, die Häuser, Straßen und Stadtansichten spiegeln. Von Struth sind es die schwarz-weißen Düsseldorfer Straßenfluchten. Ruff bezieht sich hier auf Mies van der Rohe, er dokumentiert, collagiert, und er stilisiert Innenräume, bis dass sich die klare Bauhaus-Linie fast verflüchtigt.

Die Lehrer der Strufskys, Bernd und Hilla Becher, ergänzen das Düsseldorfer Zimmer: Von ihnen sind ältere Arbeiten zu sehen, als sie noch neun Einzelbilder in einem Rahmen zusammenfügten. Die Siegerländer Fachwerkhäuser, schon in Serie gefertigt und erst hinterher individualisiert, berichten nüchtern vom schlichten Wohnen in einer Zeit, von Form und Funktion.

Zu sehen sind weitere Künstler wie etwa Chargesheimer Mark Dion, Joachim Brohm sowie Videos und eine Skulptur (bis 23. Oktober).

(RP)
Mehr von RP ONLINE