Ausstellung zu Obdachlosen in Berlin: Der kurze Weg auf die Straße

Ausstellung zu Obdachlosen in Berlin : Der kurze Weg auf die Straße

Bruno ist 53 und lebt seit zehn Jahren auf der Straße. "Was soll ich arbeiten?", sagt er. "Ich bin Analphabet." Er ist einer von 25 Obdachlosen, die der Fotograf Reto Klar und die Autorin Uta Keseling in der Bahnhofsmission am Berliner Bahnhof Zoo getroffen haben. Die Fotos und Texte sind jetzt in einer Ausstellung am Berliner Hauptbahnhof zu sehen. Sie erzählen von Menschen, die für die meisten Passanten unsichtbar sind, und davon, wie kurz der Weg auf die Straße sein kann.

Die Geschichten zu den Bildern sind kurz und lassen viele Fragen offen. "Ich war Krankenschwester. Dann geheiratet und als Kellnerin in der Gastronomie gearbeitet. In Luckenwalde am Bahnhof. Jetzt bin ich auf der Straße, am Bahnhof Zoo", sagt etwa die 59-jährige Margarete. Was genau ihr Leben diese Wendung nehmen ließ, bleibt unklar. Klar wird: Es gab einmal eine Lehre, einen Beruf, eine bürgerliche Existenz.

Viele Geschichten zeugen von Hoffnungslosigkeit. "Ich habe zehnmal einen Entzug gemacht, aber früher oder später sitzt Du doch wieder am Bahnhof Zoo", sagt der 53-jährige Bruno, der seit zehn Jahren obdachlos ist. "Ich würde so gern wieder ein vernünftiges Leben führen. So wie ich es von früher kenne. Eine Familie haben, gemeinsame Dinge unternehmen, auf Reisen gehen. Aber es gibt keine Gerechtigkeit", sagt Brigitte, 63.

Die Ausstellung "Die Unsichtbaren" ist bis zum 30. November im Berliner Hauptbahnhof zu sehen. Vom 20. bis 30. Januar 2015 werden die Bilder, die in Zusammenarbeit mit der Deutsche Bahn Stiftung und der Berliner Stadtmission entstanden, im Essener Hauptbahnhof zu sehen sein. Weitere Ausstellungsorte sind Görlitz, Frankfurt und Hamburg.

Fotos aus der Ausstellung sehen Sie hier.

(jco)
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