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Das K21 in Düsseldorf zeigt Zeichnungen von Gerhard Richter

Zeichnungen im K21 : In einem Raum mit Gerhard Richter

Das K21 zeigt den mächtigen „Birkenau“-Zyklus von Gerhard Richter. Zur Präsentation gehört ein eigener Raum mit aktuellen Zeichnungen. Von ihnen geht eine besondere Faszination aus.

Dieser Raum hat eine besondere Anziehungskraft. Es gibt einige Menschen, die bereits mehrfach eintraten, um die Bilder zu sehen, die darin versammelt sind. Man findet ihn auf der zweiten Etage des K21, es handelt sich um den mittleren der drei Räume, in denen das Museum den „Birkenau“-Zyklus Gerhard Richters präsentiert. Dort hängen kleinformatige Zeichnungen, manche sind erst wenige Monate alt.

Das Gros des Konvoluts besteht aus schwarzweißen Arbeiten. Scharfe Linien, die manchmal wie mit unterschiedlich harten Bleistiftminen ins Papier geritzt anmuten, reißen Räume auf. Sie begrenzen, sortieren und ordnen die Fläche neu. Sie dienen zugleich als Einhegungen für Nebelwolken aus Grau und Schwarz. Keine von ihnen greift je über die Grenzlinien aus. Es hat etwas von einer Landkarte. Von der Vermessung eines unbekannten, vielleicht imaginären Gebietes.

„Wir wussten erst gar nicht, dass Gerhard Richter, die Zeichnungen zeigen wird“, sagt Susanne Gaensheimer, die Chefin der Kunstsammlung. Sie hat mit dem 89-Jährigen die Ausstellung des „Birkenau“-Zyklus verabredet. Er war auf das Haus zugekommen. Richter wählte die Arbeiten aus, von denen die neuesten im Juli 2021 entstanden, und gestaltete die Umsetzung mit seiner Frau, der Künstlerin Sabine Moritz.

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 Vor kaum zwei Jahren wurde ein Interview viel zitiert, in dem Gerhard Richter damit kokettierte, nicht mehr zu malen. „Irgendwann ist eben Ende“, sagte er damals. Manche deuteten das sogleich als Abschied von der Kunst. Ein Missverständnis. „Er hat das Malen sehr reduziert“, sagt Gaensheimer. „Was er viel macht, ist das Zeichnen. Er probiert viel aus und wirft dabei auch Themen auf, die ihn in der Malerei interessiert haben.“ Gaensheimer schwärmt von „der unglaublichen Zartheit“ der Zeichnungen. „Man kann sich bildlich vorstellen, wie er da arbeitet. Die Zeichnungen sind sehr persönlich. Diese Arbeiten können einen Zugang zu ihm legen.“

 Foto der Zeichnung 14.4.2020 (5), Foto der Zeichnung 14.4.2020 (6), Fotos der Zeichnungen © Gerhard Richter 2021, Installationsansicht K21, Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen 2021.
Foto der Zeichnung 14.4.2020 (5), Foto der Zeichnung 14.4.2020 (6), Fotos der Zeichnungen © Gerhard Richter 2021, Installationsansicht K21, Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen 2021. Foto: K21/Achim Kukulies

 Tatsächlich meint man dem Künstler in diesem Raum nahe zu kommen. Vor dem inneren Auge sieht man ihn schaben, schraffieren, wischen. Auf manchen Blättern fließt in den abstrakten Kompositionen das Schwarz zu Pfützen zusammen. Bisweilen erinnert das an Wesen aus einer Unterwasser-Welt: Ins Grau changierende Quallenkörper diffundieren durch grundloses Weiß.

 Zeichnungen sind seit 1964 Teil des künstlerischen Werks von Gerhard Richter. Sie nehmen die Formen der abstrakten Gemälde auf, begleiten sie, spiegeln sie. Dabei reflektiert Richter stets Tradition und Medium der Zeichnung an sich. Formgebung und Ausgestaltung sind geplanter und überlegter als bei den mitunter mit dem Zufall operierenden Großformaten.

Auf einigen wenigen Blättern, die in Düsseldorf gezeigt werden, benutzt Richter Farbe. Kreide, Buntstifte, mit denen er offenbar auf riffeligen Oberflächen gearbeitet hat. Manchmal denkt man an Rorschachtests, dann an bunte Zahnstocher, die zu Gittern gefügt wurden und in sanfter, aber nervöser Bewegung auf der Stelle verharren.

 Vielleicht liegt die Faszination für diese Werke darin, dass sie nicht den Anspruch des Meisterlichen haben, noch nicht einmal den des Fertigen. Etwas Essayistisches liegt darin. Lust am Probieren, am Detail, an der Reflexion. Es ist eigenartig: Man blickt mit gesteigerter Konzentration darauf. Man versucht, sich einen Reim zu machen, und gerade weil man zu keiner Deutung findet, dringt man umso tiefer in die Kompositionen vor.