Cornelius Gurlitt von französischen Reportern aufgespürt

In Münchner Einkaufszentrum : Französische Reporter spüren Cornelius Gurlitt auf

Der Mann, der in seiner Wohnung rund 1400 Werke bekannter Meister wie Picasso und Chagall versteckte, galt als verschollen. Doch jetzt haben Reporter eines französischen Magazins Cornelius Gurlitt in München aufgespürt - beim Einkaufen in einem Shoppingzentrum.

Zwei Reporter des Magazins "Paris Match" berichten, sie hätten den 79-Jährigen im Stadtteil Schwabing entdeckt, wo er gerade seinen Einkäufen nachging. Der elegant gekleidete weißhaarige Mann habe den Reportern mit zitternder Stimme einen mysteriösen Satz mit auf den Weg gegeben: "Beifall von der falschen Seite ist das Schlimmste, was es gibt." Auch ein Foto des 79-Jährigen veröffentlichte das Magazin. Die Augsburger Staatsanwaltschaft hatte erklärt, nicht einmal zu wissen, ob der Mann überhaupt noch lebe. Nach Angaben von "Paris Match" lebt Gurlitt weiterhin in der Wohnung, in der auch die Kunstwerke gefunden wurden.

Auch der "Spiegel" hat ein Lebenszeichen von Cornelius Gurlitt erhalten: Die Redaktion hat einen Brief des Kunsthändlers bekommen, der in der nächsten Ausgabe abgedruckt werden soll. Darin bittet er nach Angaben des "Spiegels" darum, seinen Namen "nicht mehr in Ihrem Blatt erscheinen zu lassen".

Gurlitt darf Bilder wohl behalten

Nach Einschätzung des Zollkriminalamts (ZKA) ist Gurlitt der rechtmäßige Besitzer der von den Nazis als "entartet" beschlagnahmten Bilder. Das Nachrichtenmagazin "Focus" und "Bild am Sonntag" zitierten aus einem ZKA-Bericht an das Bundesfinanzministerium, dass diese 315 Kunstwerke "ausschließlich aus staatlichen und städtischen Museen bzw. Landesmuseen stammen". Deshalb dürften "Rückgabe/Restitutionsansprüche der ehemaligen Eigentümer nicht durchsetzbar sein". Es sei auch zweifelhaft, dass Gurlitt wegen hinterzogener Einfuhrumsatzsteuer angeklagt werde.

Vor einer Woche war bekanntgeworden, dass in einer Münchner Wohnung des Kunsthändlersohns Cornelius Gurlitt rund 1400 meist verschollen geglaubte Kunstwerke beschlagnahmt worden sind. Sie gehören größtenteils zur laut Nazis "Entarteten Kunst" - unklar blieb jedoch zunächst, ob sich darunter wirklich Raubkunst befindet, da keine Liste der Werke öffentlich wurde.

Der Raub von Werken wie Jan van Eycks Genter Altar, Michelangelos Brügger Madonna oder Pieter Bruegels "Bauernhochzeit", sei von den Nazis "generalstabsmäßig angelegt" gewesen, erläuterte Kramar. Ziel Hitlers sei gewesen, damit ein sogenanntes Führermuseum in seiner Lieblingsstadt Linz zu gründen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg sorgten die amerikanischen Soldaten für die Rückführung der verbliebenen Werke in die Herkunftsländer. Doch auch dabei seien wieder viele Stücke abhanden gekommen, so Kramar.

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(jco)