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Caravaggio Gemälde zum Spottpreis: Wie viel ist es eigentlich wert?

Gemälde könnte 150 Millionen wert sein : Ein Caravaggio zum Spottpreis von 1500 Euro?

Das wäre das Schnäppchen des Jahres geworden: Ein Gemälde, das möglicherweise vom legendären italienischen Barockmaler Michelangelo Merisi da Caravaggio stammt, wäre in Spanien um ein Haar ohne eingehende Prüfung zum Spottpreis versteigert worden.

Aufgrund der aufgekommenen Zweifel legte das renommierte Madrider Auktionshaus Ansorena den für Donnerstagabend geplanten Verkauf des Werkes im allerletzten Moment auf Eis. Das Bild sollte für einen Startpreis von nur 1500 Euro angeboten werden, könnte aber laut Experten bis zu 150 Millionen wert sein.

„La Coronación de las Espinas“, eine 111 mal 86 Zentimeter große Darstellung der Dornenkrönung Christi, wurde bisher dem Maler José de Ribera (1591-1652) zugeschrieben. Nun werde es von Experten genau unter die Lupe genommen, sagte die Sprecherin des Hauses Ansorena am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur dpa.

Vorsichtshalber sei für das Gemälde kurzfristig ein Exportverbot verhängt worden, sagte unterdessen im Fernsehen Kulturminister José Manuel Rodríguez Uribes. Die spanische Zeitung „El Mundo“ berichtete, den Besitzern des Bildes - deren Identität nicht bekannt wurde - seien im letzten Augenblick Zweifel gekommen.

Der Spanier José de Ribera war ein „Caravaggista“, ein Anhänger des Caravaggismo. Er lebte und arbeitete Anfang des 17. Jahrhunderts jahrelang in Italien, in Rom und auch in Neapel. Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass man angenommen hat, er habe das Bild gemalt. Falls es sich herausstellen sollte, dass es sich um ein Werk Caravaggios handelt, „könnte der Preis bei 100 bis 150 Millionen liegen, wenn man es an einen Privatsammler verkauft“, zitiert „El Mundo“ den italienischen Experten Vittorio Sgarbi.

Sgarbi ist davon überzeugt, dass es sich um ein Werk Caravaggios handelt. Um ein „Ecce Homo“, das der Künstler (1571-1610), der sich durch eine im Frühbarock neuartige, realistische Bildgestaltung auszeichnete, nach Erkenntnissen von Kunsthistorikern im Jahr 1605 für den Kardinal Massimo Massimi gemalt haben soll. Die Handschrift Caravaggios erkenne man unter anderem „am brutalen Blick des Mannes links im Bild“ sowie „an der Hand, die die drapierte rote Stola hält - ein unbestreirtbares Caravaggio-Motiv“.

Sgarbis Ansicht teilt unter anderem eine von der italienischen Zeitung „La Repubblica“ befragte Caravaggio-Expertin. „Er ist es!“, meinte Maria Cristina Terzaghi ohne einen Hauch von Zweifel. Doch sind sich alle Experten einig? Keinesfalls. „El Mundo“ zitierte zum Beispiel Nicola Spinosa, der als angesehener Fachmann für die neapolitanische Kunst des 17. Jahrhunderts gilt. Sein Urteil: „Das ist kein Caravaggio.“

(felt/dpa)