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Burgtheater Wien: Intendant Matthias Hartmann unter Druck

Krise am Wiener Burgtheater : Intendant Matthias Hartmann unter Druck

Am Wiener Burgtheater ist Feuer unterm Dach. Das Ensemble begehrt gegen Intendant Matthias Hartmann auf. Die Finanzkrise des Theaters hat den Hausfrieden vorerst zerstört.

Die Finanz- und Führungskrise am Wiener Burgtheater spitzt sich zu. Nach einem Misstrauensvotum des Ensembles gibt es erste Stimmen, die einen Rücktritt von Intendant Matthias Hartmann für angemessen hielten. "Es gibt genug Gründe für den Burgchef, den Hut zu nehmen", sagte der Kultur-Sprecher der Grünen im Parlament, Wolfgang Zinggl.

Anlass sind Fragen zur Verantwortung für das Millionen-Loch im Etat. Das Haus rechnet für die Spielzeit 2012/2013 mit einem Verlust von 8,3 Millionen Euro. Außerdem drohen Steuernachzahlung von rund fünf Millionen Euro.

Der Aufsichtsrat und Hartmann sehen schwere Versäumnisse bei der inzwischen entlassenen Vizedirektorin Silvia Stantejsky. Stantejsky soll den Erkenntnissen zufolge durch undurchsichtige Buchführung die bedrängte Lage des Hauses verschleiert haben. Sie bestreitet die Vorwürfe.

Der Lesart von der Alleinschuld der im Haus angesehenen und beliebten Vizedirektorin will das Ensemble nicht folgen. Mit 83 zu 31 Stimmen sprach es Hartmann sein Misstrauen aus. "Wir, die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Burgtheaters, sehen uns nach Bekanntwerden des desaströsen finanziellen Zustands unseres Betriebs (...) nicht in der Lage, dieser Darstellung Glauben zu schenken", heißt es in der Erklärung.

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Hartmann räumt Fehler ein

Hartmann selbst wies erneut auf die strikte Trennung des kaufmännischen und des künstlerischen Bereichs hin. Zugleich räumte er Kommunikationsfehler ein. "Die Tatsache, dass ich vielen Ensemble-Mitgliedern nicht in ausreichender Form meine unausgesetzten Bemühungen zur Bewältigung dieser schweren Krise hinreichend klar machen konnte, macht mich betroffen, und ich nehme das sehr ernst", sagte der 50-Jährige dem "Kurier" (Samstag).

Der gebürtige Osnabrücker ist seit 2009 Chef des renommierten Hauses. Sein Vertrag läuft noch bis 2019. Der Aufsichtsrat hat sich mehrfach hinter den Intendanten und dessen "erfolgreiche Arbeit" gestellt.

Der neue Kulturminister Josef Ostermayer (SPÖ) sagte, "gerade in schwierigen Zeiten ist es wichtig, kühlen Kopf zu bewahren." Er werde den Endbericht der Wirtschaftsprüfer abwarten, der in etwa zwei Wochen vorliegen solle. "Alles andere wäre nicht seriös." Das Burgtheater, das als eine der bedeutendsten Bühnen Europas gilt, erhält Subventionen in Höhe von 46,3 Millionen Euro.

Unterdessen hat das Ungarische Nationaltheater auf eine Teilnahme am für März geplanten "Ungarn-Festival" am Burgtheater verzichtet. Intendant Attila Vidnyanszky führte in einem Brief an Hartmann die "um das Burgtheater entstandene unsichere Lage" als Grund an, berichtet die ungarische Nachrichtenagentur MTI am Sonntag.

(dpa)