Ausstellung von Helmut Newton: Ein genial-bunter Mix

Foto-Ausstellung in Berlin: Ein genial-bunter Mix á la Helmut Newton

Zurück zu den Wurzeln: Zehn Jahre nach der Eröffnung der "Helmut Newton Stiftung" werden im Museum für Fotografie wieder die Eröffnungsausstellungen gezeigt. Intime, laszive und zugleich opulente Aufnahmen sind zu bewundern. Eine gewagte Zusammenstellung, die passt.

Im Sommer 2014 feiert die "Helmut Newton Stiftung" im Museum für Fotografie ihr zehnjähriges Bestehen. Als Eröffnungsausstellung bestimmte der Starfotograf damals, kurz vor seinem Tod, "Us and Them" und "Sex and Landscapes". Nun, zum Jubiläum, wählt die Stiftungspräsidentin und Witwe June Newton wiederum die gleiche Kombination und betont damit die Kontinuität der Stiftungsarbeit sowie die Zeitlosigkeit des Newton'schen aber auch des eigenen Werkes.

Denn "Us and Them" ist ein gemeinsames Ausstellungs- und Buchprojekt, 1998 vollendet und anschließend an verschiedenen Orten präsentiert. Inhaltlich ist es eine Art photographisches Tagebuch ihres Zusammenlebens und beinhaltet gegenseitige, teilweise intime Porträts und Selbstporträts, sowie Aufnahmen von Schauspielern, Künstlern und anderen Prominenten der Zeit.

Die Bildnisse dieser Protagonisten eines internationalen Jet-Sets der 1980er und 1990er Jahre, aufgenommen von Helmut und June Newton bei unterschiedlichen Porträtsitzungen, werden als Bildpaare unmittelbar nebeneinander präsentiert. Der Blick June Newtons, die unter dem Pseudonym Alice Springs seit 1970 ein so eigenständiges wie bedeutendes Bildwerk schuf, scheint privater und intimer zu sein als der ihres Mannes, der die Porträtierten stets wie ein Choreograph mit geschickter Lichtregie und ausgewählten Accessoires inszeniert hat.

Jedes dieser Porträts erzählt eine komplexe Geschichte, und die Menschen auf den Schwarz-Weiß-Aufnahmen begegnen uns hier mal als private und mal als öffentliche Person respektive mit zwei unterschiedlichen emotionalen Facetten.

Anderer Newton bei "Sex and Landscapes"

Mit der Ausstellung "Sex and Landscapes", ursprünglich auf Initiative von Simon de Pury entstanden und erstmals in dessen damaliger Galerie in Zürich präsentiert, ist ein anderer Helmut Newton zu entdecken. Großformatige Landschaftsaufnahmen und Akte in Schwarz-Weiß und Farbe, entstanden zwischen 1974 und 2001, zeigen mal eine zeitlos-melancholische Stimmung, mal elegante, gleichwohl narzisstische Modelle vor ihrem Spiegelbild.

Das Ausstellungsprojekt beinhaltet wolkenverhangene Seestücke und sich brechende Wellen vor Monte Carlo, neobarocke Madonnenfiguren in italienischen Kleinstädten, Dampflokomotiven in Omaha, Nebraska oder den Berliner Grunewaldsee, verwoben mit Glamour und mitunter provokanten Inszenierungen sexueller Obsessionen in weiblicher Besetzung. Hier sind wir häufig mit angeblitzten, bühnenartigen Bildräumen konfrontiert, voller Dramatik und Travestie.

Die unorthodoxe Zusammenstellung entspricht dem heterogenen Nebeneinander und Miteinander verschiedener Genre und Stile in Newtons Werk. In diesem unnachahmlichen Stil verschwinden letztlich alle Kategorisierungen. Gleichzeitig finden unsere Assoziationen und Imaginationen reichlich Platz, um das subtile visuelle Angebot weiterzudenken oder zu erspüren.

Vom 4. Juni bis zum 16. September ist die Ausstellung im Museum für Fotografie in Berlin zu sehen.

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(cfk)
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