Ausflug nach Paris: Ateliers des Lumieres zeigt Bilder von Vincent van Gogh

Ausflug nach Paris : Unter van Goghs Sternenhimmel

Das Atelier des Lumières in Paris zeigt Bilder von bekannten Künstlern in einer Multimedia-Show. Die leuchtenden Werke ziehen ihre Betrachter in den Bann.

Pinselstriche wirbeln über die Wände im Atelier, dann geht der Mond auf. Er steigt immer höher, so dass bald auch Berge und ein Dorf unter ihm Platz finden. Nur wenige Augenblicke später blicken die Besucher auf eine leuchtende Version der „Sternennacht“ von Vincent van Gogh.

Es ist ein besonderes Schauspiel, das im elften Arrondissement in Paris beobachtet werden kann. Dort hat im vergangenen Jahr das „Atelier des Lumières“ eröffnet. In einer ehemaligen Gießerei werden Arbeiten von wechselnden Künstlern gezeigt – allerdings nicht in einer herkömmlichen Ausstellung. Stattdessen werfen 140 Videoprojektoren riesige Lichtinstallationen an die Wände. Im vergangenen Jahr waren es Arbeiten von Gustav Klimt, nun sind es Werke von Van Gogh, die über Säulen und Mauern flimmern.

Wenn die Besucher in den Schauraum treten, ist es, als würde sie in ein Gemälde tauchen: Sie sind umgeben von bunten Farben, die sich zu immer neuen Motiven zusammenfinden – sogar der Fußboden wird Teil der Installation und passt sich mit Mustern an die Darstellung an.

Gezeigt wird ein Querschnitt aus den 50 bekanntesten Arbeiten des niederländischen Malers. Los geht es mit seinen frühen Werken – Fischer rudern über die Wände und Van Goghs „Kartoffelesser“ erscheinen so groß vor den Besuchern, dass der Eindruck entsteht, sie säßen mit den Bauern beim Abendmahl. Die Illusion verschwindet so schnell wie sie gekommen ist. Die Reise geht weiter in die Provence, Sonnenblumen wachsen an den Wänden, Schwertlilien erblühen, ehe sie wieder verschwinden. Später baut sich vor dem Betrachter die berühmte „Caféterrasse am Abend“ auf. Menschen sitzen an kleinen Tischen unter funkelnden Sternen zusammen und auch die Atelierbesucher haben längst nicht mehr den Betonboden der Gießerei unter ihren Füßen, sondern das Kopfsteinpflaster jener idyllischen Gasse.

Die Lichtinstallationen sind auch deswegen so beeindruckend, weil die Malerei teilweise animiert ist. So fließt etwa die „Rhone“ täuschend echt unter dem Abendhimmel. All das ist mit passender Musik untermalt.  Mal erklingt Puccini, ein anderes Mal ertönen Mozart und Nina Simone durch die Halle. Das gesamte Zusammenspiel von Gemälde, Ton und Bewegtbild haben Gianfranco Iannuzzi, Renato Gatto und Massimiliano Siccardi innerhalb von einem Jahr entworfen und somit ein eigenes digitales Kunstwerk kreiert. Und das kommt bei dem Publikum gut an. Seit Februar waren 1,2 Millionen Besucher in dem Atelier. Wegen des Erfolgs ist die Vorführung noch einige Tage länger als zuvor geplant zu sehen.

Während der Vorstellung sieht man immer wieder staunende Besucher. Sie schlendern durch die Halle, bleiben stehen und versuchen, mit ihrem Smartphone das Gesehene festzuhalten. Wer einen Überblick über das Spektakel bekommen möchte, kann dafür eine Empore erklimmen. Viele Besucher sitzen oder liegen aber auch einfach nur auf dem Boden, um das Gesehene auf sich wirken zu lassen.

Vincent van Gogh ist an jenem Tag nicht die einzige Präsentation, die dort im Atelier zu sehen ist. Im Anschluss werden die Besucher auf eine Reise nach „Japan“ mitgenommen. Geishas, Samurai-Kämpfer und Laternen bewegen sich in der alten Gießerei an den Wänden. „Van Gogh wurde von der japanischen Kunst beeinflusst“, erklärt Bruno Monnier, Vorsitzender der Kultureinrichtung. „In der Provence hoffte er, die Kultur des Landes der aufgehenden Sonne zu finden. Er schrieb an seinen Bruder Théo: I’m in Japan here.“  Van Goghs Japan Faszination sollte in der Schau herausgehoben werden. Das Atelier des Lumières beauftrage so das Design-Kollektiv „The Danny Rose Studio“ damit, eine weitere Schau zu entwerfen.

Die Darstellungen, die die Besucher dort sehen, stammen aus dem „Ukiyo-e“, was übersetzt so viel heißt wie „Bilder der fließenden Welt“. Dabei handelt es sich um ein Künstlergenre während der Edo-Ära von 1603 bis 1868 ist.

Das Atelier des Lumières zeigt, welche Möglichkeiten in multimedialen Kunstaufbereitungen liegen. Sie machen bekannte Werke auf eine völlig neue Weise erfahrbar, rücken ansonsten verborgene Details in den Vordergrund und laden ein, sich von der Malerei einmal berieseln zu lassen. Es ist jedoch vor allem die spezielle Art der Betrachtung, die so magisch auf die Besucher wirkt. Hinter dem Atelier steht „Culturespaces“, ein privates Unternehmen, das sich 1990 gegründet hat und öffentlichen Institutionen und Gemeinschaften einen Managmentservice anbietet, Kunstzentren kreiert und Ausstellungen organisiert. Culturespaces betreibt in Frankreich bereits einige Kultureinrichtungen darunter auch die „Carrières de Lumières“. Dort in den Steinbrüchen von Les Baux-de-Provence werden schon seit gut sieben Jahren derartige Lichtinstallationen gezeigt. Für 2020 plant Culturespaces die Eröffnung eines weiteren digitalen Lichtmuseum - diesmal in einer U-Boot-Station in Bordeaux. „Die Verbindung von Kunst und digitaler Technik, spricht ein breites Publikum aller Generationen an. Besonders jüngere Leute, für die die digitale Technik längst zum Alltag gehört“, erzählt Monnier.

Nicht nur die Wände, auch der Boden wird in Farbe getaucht. Beinahe ist es so, als würden die Besucher selbst in van Goghs „Sternenacht stehen.“. Foto: Culturespaces_E.Spiller

Im Atelier des Lumières geht der Mond unter, van Goghs Gesicht erscheint an den Wänden. Die erste Vorstellung ist vorbei.

Hier geht es zur Bilderstrecke: So sieht es in dem Atelier des Lumières in Paris aus

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