Bilder psychisch kranker Straftäter: Auf der Suche nach dem Bösen

Bilder psychisch kranker Straftäter : Auf der Suche nach dem Bösen

Was sind das für Menschen, die ein Verbrechen begangen haben und deshalb in einer Anstalt für psychisch kranke Straftäter leben müssen? Die Fotografen Robert Mack und Grace Zaccardi sind Anfang der 80er Jahre in einer amerikanischen Psychiatrie auf die Suche nach Antworten auf verstörende Fragen gegangen. Die Bilder sind jetzt in einer Ausstellung in Mannheim zu sehen.

Die Mauern, die die Anstalt umgeben, haben zwei Funktionen: Sie schützen die Menschen, die sich draußen befinden, vor Patienten, die für andere zur Gefahr geworden sind und es wieder werden könnten. Und sie schützen viele, die sich auf der Innenseite der Mauern befinden, vor einer Gesellschaft, in der sie nicht zurechtkommen würden. Diese Spannung haben Robert Mack und Grace Zaccardi Anfang der 80er Jahre mit der Kamera zu dokumentieren versucht.

Zwei Jahre lang fuhr der damals 34-jährige Mack regelmäßig in die Anstalt. Später wurde er dabei von seiner Projektpartnerin Grace Zaccardi begleitet. Im Laufe der Monate gewannen Mack und Zaccardi das Vertrauen einiger Patienten. Auf einigen Bildern blicken die Insassen erstaunlich offen in die Kamera - trotzdem bleibt für den Betrachter rätselhaft, was in ihnen vorgeht. Ist in den Augen der Insassen das zu erkennen, was man "das Böse" nennt? Und wenn man es zu erkennen glaubt, ist man dann nicht von dem Wissen geleitet, dass dieser Mensch wohl nicht in der Anstalt wäre, wenn er nicht ein Verbrechen begangen hätte?

Die Mauern der Anstalt bilden die Grenzen einer Welt, die Menschen so scharf voneinander trennt, wie es sonst kaum vorkommt. Wer draußen lebt, kann sich kaum vorstellen, wie der Alltag in der Anstalt aussieht. Und wer drinnen lebt, für den hat das Leben plötzlich extrem enge Grenzen. Mack und Zaccardi sind zwei Jahre lang zwischen beiden Welten gependelt. Ihre Bilder sind bis zum 25. August in der Fotogalerie Zephyr des Reiss-Engelhorn-Museums in Mannheim zu sehen.

Einige Bilder aus der Ausstellung sehen Sie hier.

(jco)
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