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Kulturtipps fürs Wochenende: Literatur, TV, Fotokunst

Winterliches zum Lesen, Schauen, Zuhören : Meine Kulturtipps für das Wochenende

Ein kühler Thriller, Blicke in kolossale Höhen und eine Expedition im ewigen Eis – für eine winterliche Atmosphäre muss man nicht weit reisen. Unsere Vorschläge für die Freizeit in den eigenen vier Wänden.

Ich mag Schnee. Sogar sehr gerne. Damit ist man in hiesigen Regionen nicht nur häufig in der Minderheit. Neuerdings wird man auch vorwurfsvoll angeguckt: „Du bist doch nicht etwa ins Sauerland oder in die Eifel gefahren?“ Dabei  muss man gar nicht in die Ferne schweifen, um winterliche Atmosphäre aufzunehmen. Peter Høegs Roman „Fräulein Smillas Gespür für Schnee“ ist auch fast 30 Jahre nach Erscheinen für mich das perfekte Beispiel dafür, wie man die Faszination von Schnee und Eis in Worte kleiden kann: „Es wird kälter, und ich freue mich, denn ich weiß, dass der Frost jetzt zugelegt hat, das Eis bleibt liegen, und die Kristalle haben Brücken gebildet und das Salzwasser in Hohlräumen eingekapselt, die eine Struktur haben, wie die Adern eines Baumes, durch den langsam die Flüssigkeit hindurchsickert.“ Solche Gedanken begleiten die Protagonistin Smilla bei der Aufklärung der mysteriösen Todesumstände des kleinen Nachbarjungen Jesaja. Nicht zuletzt wegen ihres Gespürs für Schnee ahnt die Tochter einer Inuit schnell, dass hier etwas vertuscht wird. Peter Høeg ist eine spannende literarische Mischung aus Thriller, Mysterium und leisen Tönen gelungen. Ein Buch, das man nicht nur einmal liest – nicht zuletzt wegen solcher Sätze wie: „Schnee lesen ist wie Musik hören. Das Gelesene beschreiben heißt, die Musik schriftlich erklären.“

Ein ebenso außergewöhnliches Gespür für Schnee beweist Bergfotograf Peter Mathis in seinem Fotoband „Schnee“.  Kolossale Aufnahmen in Schwarz-Weiß, unberührte Naturgewalt in den höchsten Regionen auf der ganzen Welt hat der Österreicher in seinem neuen Werk eingefangen. So hat man Berge nie zuvor gesehen. Zu manchem Bild erzählt der Fotokünstler seine Geschichte. Etwa, wie er sich eines Januarmorgens in der Dunkelheit aufmacht auf die „Alpe Laguz“, um die unberührte Landschaft in perfektem Licht zu erwischen. Doch es ist zu spät. Als er oben ankommt, steht die Sonne schon hoch, und Tourengeher haben mit ihren Spuren die Schneedecke zerstört. Mathis macht einen zweiten Versuch – noch früher, noch anstrengender, weil er durch knietiefen Neuschnee muss. Diesmal wird er belohnt. Ein ideales Werk zum Stöbern und Staunen an einem Winterabend (Peter Mathis: „Schnee“, Prestel Verlag).

Und wer nun schon einmal mittendrin ist im kühlen Ambiente, sollte die ARD-Doku „Erlebnis Erde: Expedition Arktis – Ein Jahr. Ein Schiff. Im Eis.“ anschauen. 90 Minuten kann man hier den Wissenschaftlern der „Polarstern“ bei der Arbeit über die Schulter sehen. Ein Jahr lang waren sie mit dem Forschungsschiff im ewigen Eis eingefroren und haben Daten und Erkenntnisse über das arktische Klima gesammelt. Forschung im Extremen. Die Doku begleitet die Forscher in ihrem Alltag, lernt ihre Faszination für diese lebensfeindliche Idylle verstehen (fünf Monate ohne Tageslicht!) und ist  auch bei  persönlichen Rückschlägen und wissenschaftlichen Neuentdeckungen hautnah dabei. Unfassbar schöne Bilder einer fremden Welt, deren Untergang bereits begonnen hat.

Zum Abschluss noch ein winterlicher Tipp für Krimifans: Die deutsch-österreichische Serie „Der Pass“ passt perfekt in diese Jahreszeit. In der Grenzregion des Bertesgadener Landes wird auf einem Pass eine Leiche gefunden, die der Mörder seltsam zur  Schau gestellt hat. Ein grenzübergreifendes Ermittlerduo (großartig: Julia Jentsch und Nicholas Ofczarek) soll den Täter finden. Inmitten der archaischen Gebirgslandschaft kommt das gegensätzliche Duo über viele Um- und Irrwege dem Täter auf die Spur. Eine spannende Geschichte mit überraschenden Wendungen, die nicht zuletzt von der mächtigen Kulisse und seinen Darstellern lebt. Die erste Staffel ist in der ZDF-Mediathek zu sehen, die Zweite folgt Ende des Jahres, zunächst bei Sky.

Schönes Wochenende!