1. Kultur

Kriegsdrama in den Wäldern Weißrusslands – "Im Nebel"

Kriegsdrama in den Wäldern Weißrusslands – "Im Nebel"

Die Wehrmachtsoffiziere in ihren akkuraten Uniformen sind nur Staffage. Dass sie die Bösen sind, die Invasoren, die nicht hierher gehören in die Wälder Weißrusslands, das setzt der Film voraus. Es sind die Auswirkungen ihrer Präsenz auf die Einheimischen, der erbitterte Kampf ums Überleben zwischen Kollaborateuren und Partisanen, der Regisseur Loznitsa interessiert.

Wo Krieg herrscht, genügt ein Gerücht, um die Todesschwadrone in Bewegung zu setzen. Da werden ein paar Bahnarbeiter wegen eines unüberlegten Sabotageakts von den Deutschen und ihren einheimischen Handlangern gehängt, aber einen der Inhaftierten lassen sie laufen. Dass das sein Todesurteil ist, weil nun die Partisanen kommen werden und den vermeintlichen Verrat an seinen Mitverschwörern rächen, ist Sushenya klar. Seiner Ehefrau nicht, und so ringt sie die Hände, als Männer nach ihm fragen kommen. Einer ist ein Nachbar, man kennt sich von kleinauf, aber das spielt jetzt ebenso wenig eine Rolle wie Sushenyas Unschuld.

Was genau ihm vorgeworfen wird, erfährt der Zuschauer erst allmählich. Als der Film einsetzt, ist Sushenyas Tod beschlossene Sache. In Rückblenden und in fahlen, zeitlos schönen Bildern erzählt "Im Nebel" (nach einer Vorlage des weißrussischen Kriegsveteranen Wassil Bykau) in parallelen Strängen den Weg in den Tod und die Vorgeschichte der Partisanen und des Bahnarbeiters. Einer ist unschuldig, wird aber zum Sündenbock gemacht. Einer will das Richtige tun und muss beinahe einen Unschuldigen töten. Der Dritte hat bereits gezeigt, dass er zu jedem Verrat bereit ist, um das eigene Leben zu retten.

Am Ende spielt all das keine Rolle mehr – der aufziehende Nebel bedeckt sie alle.

(RP)