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Konzert der Eagles in der Kölner Arena

Besprechung : Die Eagles verbreiten in Köln schönste Harmonie

Bei ihrem Auftritt in der Kölner Arena begeisterte die Band vor allem, als sie die Halle mit vielstimmigem Gesang erfüllte.

Bei ihrem zweiten Europa-Konzert in der Kölner Arena wirkt es fast, als wären die Eagles ein One-Hit-Wonder: Bei „Hotel California“, das sie als erste Zugabe spielen, erheben sich die 13.000 Fans zum ersten Mal aus ihren Sitzen. Sie bejubeln schon das ausführliche Trompeten-Intro, können es kaum abwarten, endlich das berühmte Motiv auf der zwölfsaitigen Gitarre zu hören, und unterstützen dann lauthals Don Henley, der vom Schlagzeug aus singt.

Doch eigentlich sind die Eagles viel mehr als „Hotel California“. Bevor der Song 1977 erschien, verkaufte sich ihr erstes Greatest-Hits-Album in den USA besser als später Michael Jacksons „Thriller“. Seit ihrer Gründung 1971 überzeugten sie auf der anderen Seite des großen Teichs ein Millionen-Publikum mit einer Mischung aus Country und Rock und allen Zwischentönen. Auf der Kölner Bühne kann man die Stilrichtungen ablesen an den Charakter-Typen, die die Band aktuell ausmachen: Ganz links steht Vince Gill, der erst seit rund zwei Jahren mitspielt, und in den USA ein bekannter Country-Sänger ist. Immer wenn er die Führung übernimmt, wird der Sound samtig-seicht, manchmal arg weichgespült. Doch zum Glück gibt es einen Gegenpol: Joe Walsh, seit 1975 an der Gitarre, begrüßt das Publikum von rechts mit einem knurrigen „Guten Morgen!“ und schenkt ihm mit „Those Shoes“ und „Life’s Been Good“ grandios schräge Rock-Nummern.

Das größte Ereignis, das, was die Eagles ausmacht, findet in der Mitte statt: Da singt Don Henley „One Of These Nights“ und treibt sich dabei selbst am Schlagzeug an. Direkt vor ihm steht Deacon Frey, Sohn von Glenn Frey, dem genialen Songschreiber, nach dessen Tod im Jahr 2016 Don Henley kurzzeitig das Ende der Eagles verkündete. Deacon sagt: „Es war mein größter Traum, mit diesen Jungs auf Tour zu sein – und jetzt ist er wahr geworden.“ Und man nimmt ihm das ab, wenn er mit geschlossenen Augen den Gesangspart seines Vaters in „Peaceful Easy Feeling“ übernimmt und sich sein Videobild mit einem Schwarz-Weiß-Foto Glenn Freys überschneidet.

Am beeindruckendsten sind die Eagles nach wie vor, wenn ihnen, auch dank des erstaunlich ausgewogenen Sounds, betörende Vokal-Harmonien gelingen. Gleich der erste Song, das Steve-Young-Cover „Seven Bridges Road“ ist umwerfend: Sieben perfekt aufeinander eingestellte Männerstimmen singen fast A-Capella und das reicht, um die riesige Halle auszufüllen. Auch bei Hits wie „Take It Easy“ oder Don Henleys „The Boys Of Summer“ begeistert nicht in erster Linie die Musik, sondern die Mehrstimmigkeit.