Kolumne: Wie Drohnen uns unmündig machen

Kolumne Gott und die Welt : Die Drohne über unseren Köpfen

Wie neue Techniken uns Schritt für Schritt entmündigen.

Ein bisschen unheimlich sind sie schon, die Drohnen. Leise sirrend – tatsächlich wie monströse Insekten – haben sie sich in unsere Welt eingeschlichen. Zunächst waren es exotische Spielzeuge, bald schon nützliche Gebrauchsgegenstände, und demnächst könnten sie massenhaft Menschen und Waren transportieren. Die Drohne als neuer und treuer Gefährte der Menschheit? Es spricht manches dafür – vor allem die augenblicklich hohe Investitionsbereitschaft mächtiger Firmen in diese Technologie. Dennoch bleibt manches grundsätzlich bedenkenswert, wie etwa die Frage danach, ob wir Menschen uns auch mit den Drohnen weiter entmündigen. Wir bedienen uns schon heute und selbstverständlich Technologien, die wir selbst gar nicht mehr begreifen. Warum kann ein Auto fahren, wie funktioniert das Internet, wie klappt die Kommunikation mit unseren Smartphones? Auch unser Verständnis vom Raum und unser Sinn für Orientierung ist bedenklich geringer geworden, seit wir uns der praktischen Navigationssysteme anvertrauen. Technik und Wissenschaft dienten einst dazu, uns die Welt zu erschließen und sie in begrenzter Weise beherrschbar zu machen. Darüber sind wir einen Schritt hinaus, denn die Technik hat sich ihre eigene Welt geschaffen, die wir nutzen und bedienen, aber nicht mehr verstehen. Mit der Drohne tritt eine neue Form der Abhängigkeit in unser Leben – in der Einschränkung unserer Privatsphäre. Bisher wurde der Raum, in dem wir leben, horizontal bemessen. Nun ist die Frage, was sich über uns in der Luft abspielen darf, über den Gärten und Grundstücken, den Häusern, den öffentlichen Plätzen? Es wird beim massenhaften Drohnen-Verkehr neue Regeln geben und neue Überwachungssysteme. Neueste Technik zur Kontrolle der neuen Technik. Schöne, sirrende Welt.

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