Köln – die verbotene Stadt

Köln – die verbotene Stadt

Ein echter Düsseldorfer nimmt diese vier Buchstaben nicht in den Mund und spricht nur von der "verbotenen Stadt". Die Rivalität der beiden rheinischen Nachbarinnen ist legendär. Eigentlich ist der einzige Unterschied zu Düsseldorf nur diese große Kirche.

Diese Klägerin kann nur eine "Immi", eine Zugereiste sein: Sie lebt im Rheinauhafen, dem schönsten Wohngebiet Kölns in direkter Nachbarschaft zu Prinz Poldi (Podolski) und mit Blick auf den Rhein. Doch damit ist sie nicht zufrieden und mindert die Miete, weil die Schiffe auf dem Fluss so viel Krach machen. Skandal! Der Kölner zuckt angesichts dieser Dünnhäutigkeit lässig die Schultern. "Lääve un lääve losse", leben und leben lassen, sagt man in der Domstadt. Oder fahren und fahren lassen wie bei den Rheinschiffen.

So ist eben Köln, das nördlich seiner Grenzen nur als "verbotene Stadt" bezeichnet wird. Der Düsseldorfer leidet unter seiner großen Schwester: Selten wird er im Ausland als eigenständige Person wahrgenommen ("I'm from Duesseldorf? It's near Cologne, do you know it?" – "Ah, Cologne!"). Er beschwert sich, dass nur Köln als Verkehrsknotenpunkt im Westen der Republik auf Autobahn-Schildern steht und nie die Landeshauptstadt. Der Autobahn-Ring mit seinen vier Kreuzen ist für den Düsseldorfer ein Ort des Schreckens: Jeder kann beim Altbier Geschichten erzählen, wie er sich auf den Weg machte nach Köln und die Irrfahrt durch die Außenbezirke erst endete, als das Benzin im Tank verbraucht war.

Den Niederrheiner zieht also nichts in die Stadt mit den vier Buchstaben. Viele andere kommen gerne, zum Beispiel wegen dieser großen Kirche direkt am Hauptbahnhof, neben der Reibekuchenbude. Der Dom ist imposant, sympathisch für Kölner Schulkinder (die Grundsteinlegung war im Jahr 1+1=2+2=4+4=8, also 1248). Anders als häufig vermutet, ist er nicht die höchste Kirche Deutschlands, aber dennoch Leuchtturm dieser Stadt. Selbst wenn viele nicht mehr "zo Foß noh Kölle jonn", erfreut der Anblick der zwei Spitzen am Horizont das Herz der Einheimischen.

Dieses "Hätz" spielt in Köln eine besondere Rolle. Es schlägt fürs Veedel, für den FC, den Karneval – selbst im herbstlichen Dauerdunst der Kölner Bucht gibt's im Hätze Sonnenschein. Apropos 1. FC Köln und Karneval: Eigentlich sind die beiden Dinge dasselbe. Der FC kann so schlecht spielen, wie er will, die Leute singen trotzdem. Wie beim Karneval. Sind dort die Büttenreden auch noch so blöd, man muss nur die Musikbands "De Höhner" oder die "Bläck Fööss" in einen Saal und auf die Bühne schicken, dann ist den Kölnern alles egal. Schunkeln, Wibbeln, Klatschen – man könnte ihnen die gesamte Stadt unterm Hintern wegnehmen; Hauptsache, sie sind dabei, das ist prima, Viva Colonia! "De Höhner" werden in der Stadt übrigens so verehrt, dass selbst für die lokale Spezialität, den Halven Hahn, kein Huhn Federn lassen muss.

Köln ist Medienstadt und dank seiner Universität und Fachhochschulen eine junge Metropole. Es ist vieles: szenig, grün, gemütlich, tolerant, klüngelig, künstlerisch, laut, bodenständig, weltoffen und herrlich provinziell.

Nur eines ist Köln überhaupt nicht: schön. Zu viele Kriegsverletzungen, zu viele Bausünden, zu vieles Gewollt-und-nicht-gekonnt. Weil ihrem Äußeren niemand auf den ersten Blick verfällt, punktet sie mit ihrem Lebensgefühl und ihrer Fröhlichkeit. Für Immis und andere Gäste kann das mitunter richtig anstrengend werden und nerven, Wohlfühl-Garantien gibt's woanders. Köln ist keine Stadt zum Anhimmeln. Sondern zum Spaßhaben. Und mittlerweile jenseits des Autobahnrings auch für Düsseldorfer zu finden – Navigationsgeräten sei Dank!

(RP)
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