Klassik trifft Jazz bei J. S. Bachs Triosonaten

Klassik trifft Jazz: Die wunderbare Welt des J. S. Bach

Klassik Diese CD macht einen froh. Sie macht das Herz weit und schärft den Verstand. Sie kann, was Musik kann, und noch viel mehr. Sie ist von einer gewaltigen Musikalität und trotzdem überhaupt nicht aufdringlich.

    Sie beschäftigt sich mit Johann Sebastian Bach und in einer Art experimenteller Begehung mit dreien seiner sechs Triosonaten für Orgel. Die waren – zwischen 1726 und 1732 komponiert – Frucht seiner Leipziger Jahre, es gab keinen Auftrag, sondern nur Passion, nur Leidenschaft für die Materie. Vielleicht waren sie auch Unterrichtsmaterial für den orgelspielenden Sohn Wilhelmn Friedemann. Für Organisten sind sie tricky, weil jede der drei Stimmen solistisch geführt ist, es gibt eine fortwährende vertikale Binnenspannung auf allen Ebenen, sogar im Pedal, weswegen gymnastische Beweglichkeit  erforderlich ist, wenn ein Organist diese Triosonaten spielen will.

    Nun werden die Sonaten in d-Moll, c-Moll und C-Dur transferiert. Doch wohin? Natürlich ist das lupenreiner Jazz, den das Trio um den Pianisten Michael Spors (mit Sebastian Schuster, Bass, und Christoph Raff, Schlagzeug) bietet. Aber bis auf die wilden schönen Ausritte in die hochjazzoiden Zonen ist eine jederzeitige Nähe zum Original spürbar.

    Und dann kommt wie aus dem Nichts der Organist Ulrich Walther und spielt die drei Sonaten im Original auf zwei Kirchen- und auf einer Hammond-Orgel. Während wir ihn aufgrund seiner stilistischen Kompetenz sofort den Orgelbankklassikern zurechnen möchten, gesellt er sich in der d-Moll-Sonate dem Trio auf der herrlich fauchenden Hammond-Orgel so kongenial jazzend hinzu, dass es eine wahre Wucht ist. Diese CD des Labels „organum classics“ unter dem Titel „Jazz.Spors-Bach“ führt einen lockend in die wunderbare Welt des J. S.Bach hinein. Und hinterher möchte man eigentlich gar nicht mehr heraus.⇥ Wolfram Goertz

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