Kiss Konzert auf der Abschiedstour in Essen

Konzert im Essener Stadion : Kiss verabschieden sich in Essen in den Ruhestand

Mit einem Knall fällt der Vorhang auf die immense Bühne des Stadions in Essen. Dahinter fahren die Hard-Rock-Götter von Kiss langsam auf Hebebühnen von der Decke zum Bühnenboden. An diesem Abend ist alles wie immer in der 46 Jahre währenden Bandgeschichte.

Weiße Schminke, Feuerfontänen. Es gibt Hits zum Mitsingen und Headbangen, Gene Simmons streckt seine wirklich sehr lange Zunge heraus, spuckt dazu Blut und Feuer, und Paul Stanley fliegt wie bei jedem Konzert über das Publikum hinweg.

Nur ein kleines aber gewichtiges Detail ist an diesem sonnigen Abend in Essen anders: „End of the Road Tour“ soll die definitiv letzte Tour der Band sein. Denn fast 50 Jahre im Rock‘n‘Roll-Business haben bei den Mitgliedern ihre Spuren hinterlassen. Gerade erst erklärte das Kiss-Gründungsmitglied Paul Stanley, dass er eine neue Hüfte habe, diverse andere Operationen zählte er auch auf. Nun treten sie in eine Lebensphase ein, in der sie sich die Rock‘n‘Roll-Wunden im Ruhestand lecken können.

Zeit für Sentimentalitäten bleibt aber an diesem Abend in Essen zum Glück nicht. Denn für solche Petitessen ist der Kiss-Kosmos auch nicht erfunden worden. Hier geht es vielmehr um Rock‘n‘Roll – und das die ganze Nacht lang. Gut aufgelegt und eingespielt beginnen Starchild, Demon, Spaceman und Catman (so ihre Bühnencharaktere) die Show mit ihrem Klassiker „Detroit Rock City“. Weitere Hits werden folgen, den krönenden Abschluss macht zur Zugabe „Rock‘n‘Roll All Nite“ mit einer nicht enden wollenden Konfetti-Kanonade. Denn für diese Show sind die rund 20.000 Zuschauer ins nicht ganz ausverkaufte Stadion nach Essen gekommen.

Auf immens hohen Plateauschuhen laufen die Mittsechziger über die Bühne, die über und über mit Nieten besetzen Kostüme glitzern bis in die allerletzte Reihe. Die Pyroshow gehört dabei genauso zur Kiss-Unterhaltung wie nicht enden wollende Soli der Musiker oder die Hebebühnen.

Trotz der Aufmunterungen des durch Stimmband-OPs gebeutelten Paul Stanley kommt erst bei dem Klassiker „I Was Made For Lovin‘ You“ richtig Stimmung im Stadion auf. Die Protagonisten des Rock‘n‘Roll scheinen alt geworden zu sein.

Zeit also für den wohlverdienten Ruhestand.

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