Jazzpianist George Shearing starb

Jazzpianist George Shearing starb

Er hatte seinen eigenen Stil, der an Fertighäuser erinnerte, die auf der Klaviatur abgesetzt und parallel verschoben wurden. Blockakkorde nannte man diese vollgriffigen Gebilde, andere nannten dieses Spiel mit geschlossenen Händen das "Shearing Voicing", was eine Reverenz an den Erfinder war: George Shearing, den britischen Jazz-Pianisten, der jetzt 91-jährig in New York gestorben ist. Damit dieses Spiel farbig klang, ließ Shearing das Vibrafon seines Quintetts die Melodiestimme mitspielen. Progressive Jazzer fanden das ebenso doof wie Shearings Neigung zu Debussy – Liebhaber eines fein dosierten Musizierens schnalzten mit der Zunge.

Berühmt wurde Shearing indes mit "Lullaby of Birdland", das 1952 eine Auftragsarbeit für den New Yorker Jazzclub gewesen war. Alle haben sich später diese Melodie angeeignet – Ella Fitzgerald und Sarah Vaughan sowieso, aber auch Coleman Hawkins oder Lester Young. Shearing war ein fideler, nur selten als Barpianist unterschätzter Musiker, mit dem alle gern arbeiteten; es gibt kaum Bilder, auf denen man ihn nicht strahlen sieht, dabei war Shearing von Geburt an blind. Seine dicke Sonnenbrille hing wie ein Balken im Gesicht, sie störte ihn nicht. Ein liebenswerter, bedeutender Künstler, über den Jack Kerouac schrieb, er sei ein Gott gewesen, der auch "süße Kräuselnummern" spielte. Stimmt haargenau.

(RP)