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Jan Hoet ist tot: Ein Mann, der die Kunst beflügelt hat

Düsseldorf : Jan Hoet war ein Mann, der die Kunst beflügelt hat

Er galt als Veredler der "documenta", seine Ausgabe IX ist bis heute die erfolgreichste mit rund 600 000 Besuchern. Jan Hoet war Stifter und Direktor des belgischen Stedelijk-Museums für aktuelle Kunst, Gründungsdirektor des Museums MARTa in Herford und international gefragter Kurator. Jetzt ist er im Alter von 77 Jahren in seiner Heimatstadt Gent gestorben.

Der Kunsthistoriker hat die Kunst unter die Menschen gebracht, und er hat vor allem vermocht, sie ihnen nahe zu bringen. "Chambres d'amis" war eine seiner genialen Erfindungen, sein kuratorisches Meisterstück. 1986 gewann er 70 Familien in Gent dafür, ihre Wohnungen als Galerie zur Verfügung zu stellen. Wer das Glück hatte, damals dabei zu sein, musste sich zwar überwinden, hier und da bei Unbekannten zu klingeln, um im intimen Umfeld die Kunst zu betrachten. Aber letztendlich gelang Hoet auf jenem legendären Kunstparcours die Demokratisierung von Kunst, indem er das diffizile Verhältnis zwischen öffentlichem Interesse und privatem Bezug thematisierte.

Mit Jan Hoet, der Ritter war, Ehrenprofessor und Mitglied der Berliner Akademie der Künste, geht einer der leidenschaftlichsten Kunstvermittler, den man sich vorstellen und auch wünschen kann.

(RP)