Weimar: Ironisch: Kunst aus der DDR

Weimar: Ironisch: Kunst aus der DDR

Wer die Ausstellung "Abschied von Ikarus" in Weimar besucht, wird überrascht: Die aufregende Schau lohnt den Besuch.

Diese Schau ist eine handfeste Überraschung. Im Neuen Museum zu Weimar ist zurzeit die Ausstellung "Abschied von Ikarus. Bildwelten in der DDR – neu gesehen" zu erleben. Sie rückt ab von der schematischen Einteilung in Staatskünstler und Dissidenten. Die differenzierte Auseinandersetzung mit der Kunst von drüben ermöglicht tatsächlich eine Neubewertung der lange verkannten Malerei.

Am Anfang stand die Utopie des Aufbruchs in eine neue Gesellschaft, die nach Gründung der DDR von den ästhetischen Normvorgaben des Sozialistischen Realismus erstickt wurde. Damit wird der Besucher gleich beim Eintritt in die Ausstellung konfrontiert. Im Bild des Mystikers Wolfgang Mattheuer schreiten Arbeiter über eine kein Leben mehr duldende Abraumfläche eines Braunkohlenreviers zu ihrem Einsatzort. Dazwischen queren sie drei Gestalten mit leeren bunten Schachteln als Köpfe. Eine Anklage gegen Umweltzerstörung und bürokratische Realitätsschönung.

Der sowjetische Aufbruch ins All beflügelte zwischendurch eine neue Utopie: die Verheißungen der als systemüberlegen angesehenen sowjetischen Technologie. Nicht mehr Arbeiter, Kosmonauten verkörpern ein neues Menschenbild. Andererseits dringen nun ganz neue Sujets in die DDR-Bilderwelt ein, etwa die Diskrepanz von Anspruch und Wirklichkeit der Rolle der Frau in der DDR oder Eros und Sex. Mitunter greifen Künstler wie Werner Tübke oder Volker Stelzmann sogar manifest auf die christliche Motivik zurück. Weil im bildlichen Ideentransport der Zwang zur figurativen Darstellung und zum Pathos liegt, konnte sich in der DDR keine abstrakte Kunst entfalten. Dennoch gibt es Beispiele für den Aufbruch in die Moderne. Wegbereiter war A. R. Penck, der die gängige DDR-Kunst als kulturfeudalistisches Verharren in der Ästhetik des 19. Jahrhunderts geißelte. Wer ohne besondere Festlegung in die Ausstellung geht, wird erkennen, wie wenig die Kategorisierung nach Staatsmalern und Dissidenten taugt.

Info Neues Museum, bis 3. Februar 2013. www.klassik-stiftung.de

(RP)
Mehr von RP ONLINE