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Internationale Filmfestspiele Berlin: "Black Coal, Thin Ice" eine Fehlentscheidung

Kommentar : Fehlentscheidung

Es ist ein Kreuz mit der Berlinale. Da hat sie einen Film im Wettbewerb, der alles überragt, der originell ist, Neues bietet, künstlerisch überzeugt und dabei zutiefst anrührt, der also schlichtweg ein Meisterwerk genannt werden darf. Aber die Jury verweigert ihm den Goldenen Bären.

"Boyhood" von Richard Linklater wäre ein Sieger, von dessen Glanz die Berlinale hätte profitieren können, weil er von einer Klasse ist, die man sonst nur auf dem wichtigsten und besten Filmfest, jenem in Cannes nämlich, zu sehen bekommt. Statt dessen gesellt sich der chinesische Thriller "Black Coal, Thin Ice" zur Reihe von Gewinnertiteln wie "Mutter und Sohn" (2013) und "Cäsar muss sterben" (2012). Deren Verweildauer im Kino lag bei wenigen Tagen, wenn sie es überhaupt ins Kino schafften und nicht im Spätprogramm bei Arte endeten.

Was genau die Jury mit ihrer Entscheidung bezwecken wollte, weiß man nicht; ästhetische Kriterien können kaum den Ausschlag gegeben haben. Der Wert von "Boyhood" ist indes größer als der des Goldenen Bären. Von diesem Film wird man noch schwärmen, wenn der Berlinale-Jahrgang 2014 längst vergessen ist. Philipp Holstein

(RP)