Installateur Mike Kelley

Installateur Mike Kelley

Drei Wochen lang gab der jetzt überraschend verstorbene amerikanische Konzeptkünstler Mike Kelley vor einem Jahr per Video-Übertragung Anweisungen, wie seine Ausstellung in den Krefelder Häusern Lange und Esters Gestalt annehmen sollte. Der gesamten Elektronik aus den Vereinigten Staaten mussten Transformatoren vorgeschaltet werden, auf dass die Video- und Audiogeräte auch in Deutschland ihre blitzenden und zischenden Dienste versehen konnten. Das große Theater, das auf diese Weise in den beiden abgedunkelten Häusern zustande kam, trug den Titel "Kandors".

Kandor ist der fiktionale Geburtsort der Comic-Legende Superman. Kelley hatte eine Vielzahl von Kandors geschaffen: kleine Stadtlandschaften mit auffällig zahlreichen Phallus-Anspielungen, die sich unter einer Glasglocke zusammenballten – eine Installation zur Suche nach Kindheitserfahrungen, aus denen womöglich Traumata des Erwachsenenalters rühren. Über alledem schien ein Hauch von Ironie zu liegen.

Kelley galt als einer der international bedeutendsten Künstler der Gegenwart. Mehr noch als seine Installationskunst machte ihn die Abbildung eines seiner Werke auf dem Plattencover des Sonic-Youth-Albums "Dirty" bekannt. Auch als er längst zu den Stars zählte, hielt er an der Attitüde des Underground-Künstlers fest. Kelly wurde 57 Jahre alt. Die Polizei geht von Selbstmord aus.

(RP)