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In Zeiten geschlossener Lichtspielhäuser lockt das Angebot von Kino on Demand.

Kino : Couch statt Kinosaal

In Zeiten geschlossener Lichtspielhäuser lockt das Angebot von Kino on Demand.

Die ganze Filmbranche bekommt die Folgen des Coronovirus zu spüren. Schlimm trifft es die großen Mainstream-Kinos, noch viel schlimmer die kleinen lokalen Filmtheater. Ein kleiner Trost: Viele Menschen verbringen gerade sehr viel Zeit zuhause und können endlich ihre Filmlisten abarbeiten.

Filmabende zu veranstalten und dabei gleichzeitig lokale Filmkunstkinos zu unterstützen, das geht mit einem Angebot des Kölner Unternehmens Rushlake Media: Mit Kino on Demand, also Kino auf Abruf, bieten sie auf ihrer Webseitehochwertiges Programmkino online an. Kino on Demand ist ein bisschen wie das Netflix der Arthouse-Produktionen, zum Download werden Filme angeboten wie „Apocalypse Now“ (im Final Cut) von Francis Ford Coppola oder „Die Blechtrommel“ von Volker Schlöndorff, aber auch Dokumentationen über Vivienne Westwood oder Toni Kroos.

Das Besondere daran ist, dass jeder Kunde seine Filme bei einem Kino in der Nähe ausleiht: „Kino on Demand ist als einziger Anbieter an die Kinos angebunden ist und schickt aktiv Filmliebhaber in die Häuser“, erklärt Philipp Hoffmann, Geschäftsführer von Rushlake Media. Der Download kostet pro Film fünf Euro. Das ist zwar ein wenig teurer als Netflix, Amazon und Co., dafür müssen sich Kunden auch nicht durch ein gewaltiges Angebot wühlen. Stattdessen bekommen sie eine kuratierte Auswahl sehenswerter Filme präsentiert.

Auf der Webseite www.kino-on-demand.com kann aus über 60 Filmen ausgewählt werden, die in übersichtliche Rubriken wie „Starke Frauen“, „Intelligente Komödien“ oder seit neuestem auch „Film-Marathon in Quarantäne“ sortiert sind. Nachdem ein passender Film gefunden wurde, wählt man ein Kino aus, bei dem man den Film leihen möchte, also zum Beispiel bei den Filmkunstkinos Düsseldorf. Nach der Eingabe des Namens, der Mail-Adresse und einem Passwort ist man registriert und kann die fünf Euro per Kreditkarte, Paypal Lastschrift oder Gutschein bezahlen. Danach können Filme für 48 Stunden angeschaut werden. Beim ersten und jedem fünften Filmabruf erhält der Kunde einen fünf Euro-Gutschein per Mail, der für den nächsten Besuch im Lieblingskino eingelöst werden kann. Als jahrelanger Partner der Kinos steht Rushlake Media gerade während der Corona-Krise an ihrer Seite: Bis zum 31. März werden die ersten fünf Euro, die Neukunden auf Kino on Demand ausgeben, ohne Abzüge direkt an die Kinos weitergegeben. „Damit helfen wir, den wirtschaftlichen Schaden ein wenig einzudämmen“, so Hoffmann.

Kalle Somnitz von den Düsseldorfer Filmkunstkinos geht davon aus, dass sich das Angebot bald ausweiten wird: „Viele unabhängige Verleiher diskutieren zurzeit, Kinostarts nicht zu verschieben, sondern über Streaming-Dienste herauszubringen“, sagt er. So könnten Filme, die in Zukunft erscheinen sollten, zwar nicht im Kino, aber von Zuhause angeschaut werden. „Es tut uns weh, dass die Kinos geschlossen werden, aber die Gesundheit hat Vorrang. Das wäre eine tolle Lösung, den Leuten die Filme zu zeigen, auf die sie sich schon lange gefreut haben“, sagt er.

So ähnlich handhabt es auch Universal Pictures: Als erstes Hollywood-Studio machen sie wegen der Coronavirus-Krise mehrere neue Filme auch per Streaming verfügbar. Zunächst werden Filme wie „The Hunt“ und „Emma“ in den Heimverleih kommen, die erst seit einigen Wochen in den Kinos sind. Aber auch der für April angesetzte Animationsfilm „Trolls World Tour“ soll bald per Stream verfügbar sein.