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"In aller Freundschaft": Dr. Heilmann darf nicht sterben​ - Sachsenklinik

Unsinn bei „In aller Freundschaft“ : Dr. Heilmann darf nicht sterben

Tumor am Gehirn? In der fiktiven Sachsenklinik der TV-Serie „In aller Freundschaft“ operiert ein Allgemeinchirurg, der ansonsten für die operative Grundversorgung zuständig ist. Die TV-Götter in Weiß können alles. Plötzlich besteht Lebensgefahr. Sind die von Sinnen?

In der beliebten ARD-Krankenhausserie „In aller Freundschaft“, die in der fiktiven Sachsenklinik in Leipzig spielt, wird in jeder Folge lehrreiche Aufklärungsarbeit betrieben. Jetzt wurde in der Folge 973 „Ich muss dir was sagen“ die Dermoidzyste durchdekliniert, die sich als Keimzelltumor diesmal am Eierstock einer Frau äußerte. Und als es dann bei der TV-Patientin – Drama muss sein – zu einer Stieldrehung kam, musste sofort operiert werden. So weit, so richtig. Dass der Urologe Dr. Kaminski am Tisch stand, war ein bisschen unkonventionell. Aber Uro und Gyn sind ja nahe beieinander.

Leider kam es dann im weiteren Verlauf zu einem sehr seltsamen Branchenwechsel bei der operativen Behandlung des beliebten Dr. Heilmann, der über mehrere Folgen von Hörstörungen, Schwindel und Zusammenbrüchen geplagt wurde. Zunächst dachte man an einen Morbus Menière, zumal sich auch ein Tinnitus meldete, dann an etwas Kardiologisches oder Psychosomatisches – bis sich in der vorletzten Folge herausstellte, dass es ein Tumor am Hörnerv ist. Der wird unter Medizinern Akustikusneurinom genannt. Das ist eher selten, allerdings gutartig und wächst meistens langsam.

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Nun kam der Moment, da man mit den Ohren schlackerte. Heilmann bat nämlich seinen besten Freund, den Klinikdirektor Dr. Stein, die Operation vorzunehmen. Meine Herren! Stein ist Allgemein- und Gefäßchirurg. Im normalen Leben wurde ein solcher Facharzt nur im Zustand der Umnachtung oder des Größenwahnsinns ein Akustikusneurinom operieren. Es liegt an sehr exklusivem Ort, nämlich im Kleinhirnbrückenwinkel. Ein solcher Eingriff fällt in die Kompetenz von sehr erfahrenen Neurochirurgen oder spezialisierten HNO-Kliniken. Aber im Fernsehen operiert es ein Allgemeinchirurg.

Prompt bekam der Patient intraoperativ eine VT, weswegen sofort Alarmstimmung herrschte. VT bedeutet nämlich ventrikuläre Tachykardie, also einen sehr schnellen Herzschlag in der Hauptkammer des Herzens im Sinne einer Rhythmusstörung. Als Medikamente nichts brachten, musste der Defibrillator eingesetzt werden. Natürlich noch größeres Drama. Musik bedrohlich. Stein verzweifelte. Mehrere Schocks ohne Besserung, zwischendurch Reanimation durch Herzdruckmassage. Dann aber – wir warteten sehnsüchtig darauf – wieder Sinusrhythmus. Musik leiser. Aufatmen. Dr. Heilmann darf nicht sterben.

Wir dachten immer, Arztserien im Fernsehen seien mit einer Art Faktencheck verbunden. Nun aber hat der Mitteldeutsche Rundfunk die Operationen der Schädelbasis in die Allgemeinchirurgie verlegt. Da wird einem schwindlig, plötzlich so komisch. Da ist kein Halten mehr. Wo ist der Boden unter den Füßen? Dr. Stein, wo sind Sie? Übernehmen Sie?