Wuppertal: Im Skulpturenpark: William Tuckers vieldeutige Formen

Wuppertal : Im Skulpturenpark: William Tuckers vieldeutige Formen

Es sieht aus wie ein Streicheln, wenn William Tucker die unebene Oberfläche seines Werk "Homage to Rodin" berührt. Er hat es "Bibi" gewidmet – das war der Name eines Handwerkers, der Auguste Rodin für dessen Bronzekopf mit dem Titel "Mann mit gebrochener Nase" Modell stand. Tucker wirkt mit seiner Schiebermütze und den groben Arbeitsschuhen selbst ein wenig wie ein Handwerker. Als habe er gerade sein Atelier verlassen, um jetzt im Wuppertaler Skulpturenpark Waldfrieden seine Schau mit zehn Werken zu eröffnen.

Tuckers Überzeugung ist bis heute: "Skulpturen müssen physisch und dynamisch sein. Sie sollen nicht so ausschauen, als würden sie unbeweglich stehen bleiben – und man soll die Hand des Künstlers an ihnen erkennen." William Tuckers Werke vermitteln den Eindruck, als würden sie sich mit Macht gegen die Schwerkraft stemmen, die sie am Boden hält. Manche präsentiert er in Wuppertal auch auf Holztischen und Sockeln – exakt in der Höhe, in der er an ihnen an seinem Ateliertisch gearbeitet hat. Auf diese Weise lassen sie sich ausgiebig und von allen Seiten betrachten. Und das ist auch notwendig, denn beispielsweise die "Homage to Rodin" erschließt sich natürlich nicht auf Anhieb als Replik zu "Bibi". Erst bei genauerem Hinsehen finden sich parallele Strukturen zu dem lockigen Bart oder der gefurchten Haut der Rodin-Bronze.

Manche Skulpturen erinnern an Klumpen oder Lava-Fragmente. Er habe sich von den ausgewaschenen Felsen im Grand Canyon anregen lassen, als er nach Amerika gezogen sei, sagt William Tucker. "Die Namen für meine Skulpturen finde ich dann später, wenn sie fertig sind. Manchmal ergeben sie sich aus Büchern, die ich gerade lese." So trägt die Skulptur im Freien vor der Ausstellungshalle den Titel "Frenhofer" und setzt damit dem gleichnamigen Maler in einer Erzählung von Honoré de Balzac ein Denkmal. Dieser strebt in der Literatur verzweifelt und vergeblich nach dem "Absoluten in der Kunst" – und vielleicht will William Tucker mit seinen groben, so vielfältig deutbaren Werken auf die Unerreichbarkeit dieses Ziels hinweisen.

Info Die Ausstellung im Skulpturenpark Waldfrieden an der Hirschstraße 12 in Wuppertal dauert bis zum 1. September; www.skulpturenpark-waldfrieden.de

(RP)