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Im Herbst erscheint der erste Asterix nach dem Tod von Uderzo

Der Comic-Klassiker : Der erste Asterix nach Uderzo

Ein neuer Asterix-Band soll im Herbst erscheinen – mit einer stattlichen Auflage von weltweit fünf Millionen Exemplaren. Es is der 39. Band der Comic-Serie und der erste nach dem Tod von Albert Uderzo,

(los/dpa) Im Herbst erscheint wieder ein neues Abenteuer der unbesiegbaren Gallier. Diesmal zieht es Asterix und Obelix weit in die Ferne. Dabei sollen sie einem guten Freund von Miraculix zu Hilfe kommen. Der neue Comicband soll mit einer Auflage von rund fünf Millionen Exemplaren weltweit am 21. Oktober in den Handel kommen, davon sind rund zwei Millionen für den französischen Markt bestimmt. Weitere Informationen über den neuen Band des Duos Jean-Yves Ferri und Didier Conrad sollen laut des französischen Verlags „Albert René“ und des Berliner Medienhauses Egmont Ehapa im Frühjahr bekannt gegeben werden.

Der 39. Asterix-Band ist der erste, der nach dem Tod von Albert Uderzo, dem Mit-Erfinder der Comicfiguren, erscheinen wird. Das sei das letzte Abenteuer gewesen, das Uderzo noch abgesegnet habe, sagte Isabelle Magnac, die Geschäftsführerin von „Hachette Livre“, dem Mehrheitseigner von Albert René, in einem Interview mit der Fachzeitschrift „Livres Hebdo“. Der Zeichner war im März des vergangenen Jahres im Alter von 92 Jahren gestorben. Zusammen mit dem Texter René Goscinny rief er Ende der 50er Jahre die Asterix-Abenteuer ins Leben. Nach dessen Tod im Jahr 1977 setzte Uderzo die Serie alleine fort. Anfang 2009 zog er sich zunehmend zurück. Der erste Asterix-Band von Ferri und Conrad erschien 2013.

Mit dem gallischen Helden Asterix hatte Uderzo die Kindheit vieler Generationen gezeichnet. Denn Asterix ist immer ein Held des Alltags geblieben und eignet sich auch deshalb gut zur Identifikation. Asterix dient als Symbolfigur für viele und für Vieles: als der antike Vorfahre der Resistance-Kämpfer gegen die Nazis oder als Widerständler auf den Studenten-Barrikaden der 68er-Bewegung. Auf jeden Fall war Asterix immer ein Sinnbild der Freiheit und ist es bis heute geblieben. Anders ist es wohl nicht zu erklären, dass die Comic-Reihe mit weit über 330 Millionen verkauften Exemplaren nach Bibel und Harry Potter als eins der meistgedruckten Werke weltweit zählt und zeitweilig in Deutschland sogar beliebter war als in Frankreich. Es mag den Asterix-Fans in Germanien geschuldet sein, dass mit „Der große Graben“ von 1980 auch die Teilung Deutschlands Comicgeschichte wurde.

Als die Geburtsstunde des berühmtesten Galliers schlug, war Uderzo schon kein ganz Unbekannter mehr. Gemeinsam mit Goscinny waren Anfang der 1950er Jahre Geschichten um den Indianer Umpah-Pah und den Detektiv Luc Junior erschienen und hatten Achtungserfolge erzielt. Vielleicht war Disney eine Herausforderung, die Uderzo dazu anstachelte, in der historischen Mottenkiste seines Landes nach Kulisse und Personal Ausschau zu halten. Er wurde fündig in dem gallischen Fürsten Vercingetorix, der 52 v. Chr. von den Römer besiegt worden war. Alles weitere ist Geschichte; genauer gesagt: Asterix‘ Geschichte, die mit dem ersten Heft 1959 anhebt.

Nach der Grundidee schien den beiden Franzosen vieles leicht zu fallen: Das Personal des Dorfes sollen sie in nur 15 Minuten gefunden und skizziert haben, bis auf Obelix. Ausgerechnet der Partner und beste Kumpel des listigen Titelhelden ließ noch etwas auf sich warten. Der Hinkelsteinlieferant, der als Kind in den Zaubertrank-Kessel gefallen war und dadurch per se nichts zu fürchten hatte, brauchte offenkundig noch eine zweite Einladung.

Uderzo selbst erinnerte sich an seine eigene Kindheit als die schönste Zeit seines Lebens. Vielleicht muss das so sein, um später auch anderen Kindern eine schöne Zeit bereiten zu können. Uderzo war ein Träumer und in seinen Träumen immer ein Clown mit einer ziemlich dicken roten Nase. Als Junge hatte er sich in ein Zirkusplakat verliebt; darauf mehrere Clowns. Einer hieß auch Albert, und der hatte die grellste Maskierung und die größte Nase. „Ich wollte sein wie er“, sagte er. Dieser Albert habe ihn später wohl unbewusst zu den Knollennasen seiner Gallier inspiriert. Asterix und Obelix sind somit an die Stelle der Clowns getreten.

Als 84-Jähriger hatte sich Uderzo zum Rückzug entschieden und Jean-Yves Ferri als Autor und Didier Conrad als Zeichner das Feld überlassen. Ihr erster Band hieß „Asterix bei den Pikten“. Noch einmal machte Uderzo vor fünf Jahren Schlagzeilen, als er nach dem Anschlag auf die Redaktion des Satiremagazins „Charlie Hebdo“ Asterix auf einen römischen Legionär eindreschen und rufen ließ: „Moi aussi, je suis un Charlie – ich bin auch ein Charlie“.

Erst vor wenigen Monaten war ein scheinbar neuer „Asterix“ erschienen: „Der goldene Hinkelstein“. Doch der kam in Frankreich schon 1967 auf den Markt, also sechs Jahre nach der Premiere von „Asterix der Gallier“. Damals war es ein Schallplattenhörspiel mit reich illustriertem Beiheft, das jedoch nie ins Deutsche übertragen worden war. Dafür aber im Oktober 2020. Manchmal spinnen eben auch die Gallier!