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Düsseldorf: Hommage an Bert Gerresheim

Düsseldorf : Hommage an Bert Gerresheim

Erst kürzlich hat der Skulpteur Bert Gerresheim seine Leidenschaft für religiöse Themen wieder verewigt, in einer Pietà für die Kirche St. Marien in Rheydt – und wie so oft modellierte er in Bronze unerwartet intensive, fast fotografische Details einer biblischen Situation. So scheint es dem Betrachter, als seien Mutter Maria und Sohn Jesus im Moment ihres allerletzten Sehens, Begreifens und Umfangens im Guss erstarrt. Und immer wieder ist es eine realistische Schärfe, die sich bei Gerresheim mit metaphysischer Dimension paart. Der Augenblick wird künstlerisch zur Ewigkeit.

Nun gibt es ein ebenso hilfreiches wie lesenswertes Büchlein aus dem Mönchengladbacher B. Kühlen-Verlag, das unter dem Titel "Mensch Gottes – Hommage an Bert Gerresheim" einige wichtige Arbeiten des Künstlers nicht nur lehrhaft erklärt und deutet. In elf Betrachtungen zu ausgewählten Arbeiten aus dem religiös-spirituellen Raum (die in großformatigen Fotografien lebendige Kontur erlangen) bringen prominente Zeitgenossen auch ihre persönliche Verbundenheit mit Gerresheim zum Ausdruck – und zwar handschriftlich. Klaus Hurtz, Pfarrer an St. Marien und St. Franziskus in Mönchengladbach-Rheydt, hat das Opus herausgegeben.

In einer Grußbotschaft verweist Künstlerkollege Heinz Mack auf die besondere Schwierigkeit sakraler Auftragskunst: "Die religiösen Erwartungen der Kirche sind sich oft nicht bewusst der Schwere und der Schwierigkeiten, welchen der Künstler sich gegenübersieht." Deshalb bewundere er Gerresheims Wagemut, dass er eine "dienende Funktion" bewusst mit dem "Ausdruck künstlerischer Freiheit" paare. Der Dank der Kirche ist Gerresheim gewiss, er wird ihm hier in vierfältiger Gestalt zuteil – in Laudationes und Erklärstücken der Bischöfe Friedhelm Hofmann (Würzburg), Heinrich Mussinghoff (Aachen), Heiner Koch (Köln) und Heinrich Janssen (Münster/Kevelaer).

Nicht immer muss man Kirchen betreten, will man Gerresheims Kunst ansichtig werden, und nicht immer sind es Kreuzesdarstellungen. Zuweilen überrascht sie den Passanten plötzlich, wie der "Brückenheilige" Nepomuk in Düsseldorf-Oberkassel, dessen politische Dimension Sven Gösmann, Chefredakteur dieser Zeitung, erläutert. Die Unternehmerin Christiane Underberg preist die Franziskus-Darstellungen, die Theologin Elisabeth Jünemann erklärt, wie Gerresheims "Mutter Teresa" von der "bedingungslosen Zuwendung" der Heiligen künde. In der Tat, Gerresheim, sein Christus und seine Heiligen sind unter uns. Dieses Buch lässt sie uns als Vorbild und Trost griffbereit in der Nähe sein.

Info Klaus Hurtz (Hrsg.): "Mensch Gottes – Hommage an Bert Gerresheim" (mit zahlreichen Fotografien von Carlos Albuquerque). B. Kühlen-Verlag, Mönchengladbach, 64 Seiten, 25 Euro

(RP)