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Düsseldorf: Hollywoods König der Nebenrollen: Ernest Borgnine starb

Düsseldorf : Hollywoods König der Nebenrollen: Ernest Borgnine starb

Seine größten Momente hatte er kurz vor dem Weltuntergang. In "Die Höllenfahrt der Poseidon" etwa, 1972 war das: Ein Passagier-Dampfer wird von einer mächtigen Welle in die Tiefe gedrückt, und natürlich halten die Menschen im Angesicht des Todes nicht zusammen. Einer will die Führung übernehmen, so ist das immer, die anderen sollen folgen. Aber seine Anweisungen sind unmoralisch, und Borgnine baut sich vor ihm auf; massiger Körper, im Blick existenzielle Verzweiflung. "Was glauben Sie, wer Sie sind? Gott?", fragt er, und wie in solchen Filmen üblich, schauen die Männer einander einige Momente lang an und sagen nichts. Wasser dringt in den Schiffsleib, das Material ächzt. Und dann gewinnt Borgnine doch, er hält länger durch, Sieg der Menschlichkeit.

Borgnine war Hollywoods König der Nebenrollen, sein Gesicht mit der markanten Zahnlücke ist bekannter als sein Name. Die anspruchsvollsten Rollen bekam er in den 50er und 60er Jahren, da wurde er zumeist als harter Hund besetzt – charakteristisch ist der berühmte Auftritt in "Verdammt in alle Ewigkeit". Er spielt einen sadistischen Sergeant, und als Frank Sinatra sich mit ihm anlegt, zieht er ein Messer. Burt Lancaster muss dem Kameraden beispringen, das Messer fällt zu Boden, doch Sinatra kann nicht aufatmen, denn nun droht Borgnine: "Irgendwann verlässt Du diesen Raum, und dann stehe ich vor der Tür und warte."

Borgnine trat in Klassikern wie "Das dreckige Dutzend" auf, in der TV-Serie "Airwolf", und den größten Teil der 70er und 80er Jahre brachte er mit Katastrophen- und Endzeitfilmen zu. "Die Odyssee der Neptun" ist einer davon, in "Die Klapperschlange" war er der Taxifahrer, der Kurt Russell beisteht. Borgnine war dort, wo Menschen erkennen müssen, dass das nicht die Zukunft ist, von der sie geträumt haben. Er half ihnen, sich zu arrangieren, war der Wachrüttler, und wer das Funkeln in seinen Augen sah, wusste: Rettung ist möglich.

1956 bekam er den Oscar, in "Marty" spielte er einen 30-Jährigen, der noch bei der Mutter wohnt. Er gewann gegen die ebenfalls nominierten Kollegen James Dean, Frank Sinatra, Spencer Tracy und James Cagney. Die junge Grace Kelly überreichte den Preis, und als er sie später in Monaco wieder traf, hieß sie bereits Gracia Patricia. Sie fragte: "Haben Sie das Schmuckstück noch, das ich Ihnen damals gab?" Er sagte: "Selbstverständlich gnä' Frau." Ernest Borgnine starb am Sonntag in Los Angeles an Nierenversagen. Er wurde 95 Jahre alt.

(RP)