Hochschulen arbeiten an der Klimarettung

Hochschule : Forschung für die Rettung des Planeten

Ideen für das Weltklima kommen auch aus NRW. An vielen Hochschulen arbeiten Wissenschaftler an klimafreundlichen Strategien.

Die Wissenschaftler an Hochschulen in ganz NRW forschen verstärkt rund um die Themen Klimawandel und Nachhaltigkeit. Wir stellen einige Projekte und Visionen vor:

Ökonomisch und

ökologisch handeln

Wie kann man gleichzeitig ökonomisch erfolgreich, aber auch sozial und ökologisch verträglich handeln? Mit dieser Frage beschäftigt sich das Kompetenzzentrum „EthNa CSR“ der Hochschule Niederrhein. Ethik und Nachhaltigkeit („EthNa“) sind zunehmende Anforderungen der Kunden und der kritischen Öffentlichkeit an die heutigen Produkte, Unternehmen und Zulieferer und das Management. Dies schließt die Wertschöpfungsaktivitäten entlang der gesamten Lieferkette ein. Das Kompetenzzentrum unterstützt Unternehmen dabei, diesen Anforderungen an die „Corporate Social Responsibility“ (CSR), also die gesellschaftliche Verantwortung gerecht zu werden. Ethisches Entscheiden und Verhalten, Ethisches Klima in Organisationen sowie Wirtschafts- und Unternehmensethik sind Angebote für Unternehmen.

Strom aus Meereswellen

Mit der Kraft von Meereswellen Strom erzeugen – das geschieht seit kurzem an einer Versuchsanlage der Universität Duisburg-Essen in der belgischen Nordsee. Die Idee eines Wellenkraftwerks treibt Jan Peckolt schon seit seiner Diplomarbeit um. 2012 gründete er das Start-Up Nemos, um die Technologie zu realisieren. Und die funktioniert so: Vergleichbar mit Offshore-Windparks werden 40 Meter lange Schwimmkörper im offenen Meer installiert. Sie richten sich zum Seegang aus und wandeln bis zu 70 Prozent der Wellenenergie in mechanische Energie um, mit der wiederum ein Generator Strom erzeugt. Diese Entwicklung trug Peckolt mehrere Preise ein; er patentierte die Steuerung, und seine Firma forschte dank Fördermitteln aus Berlin gemeinsam mit Wissenschaftlern weiter an der Anlage. Aufwändige Modellversuche und Analysen fanden im Entwicklungszentrum für Schiffstechnik und Transportsysteme (DST) und an mehreren Lehrstühlen der UDE statt. Bewährt sich der Betrieb der Versuchsanlage in der Nordsee, folgt der letzte Schritt: Dann sollen die ersten kommerziellen Kraftwerke entstehen, die jeweils Strom für 700 bis 800 Haushalte liefern.

Smarte Pflanzen

Der steigende Bedarf an Nahrungsmitteln sowie der Klimawandel stellen eine enorme Herausforderung für die nachhaltige Nahrungsproduktion und den Erhalt der Ökosysteme dar. Das Ziel der Wissenschaftler im Exzellenzcluster Ceplas für Pflanzenwissenschaften an der Uni Köln ist es, Nutzpflanzen so entwickeln und züchten zu können, dass diese vorhersagbar auf künftige Herausforderungen reagieren und zur Ernährungssicherung beitragen. Ceplas untersucht daher, wie sich Pflanzen an veränderte Umweltbedingungen anpassen, wie sie fast jeden Lebensraum der Erde besiedeln können und wie diese Erkenntnisse für die Landwirtschaft von Nutzen sein können.

Clean Wup – Müllvermeidung

Studierende und Wissenschaftler der Universität Wuppertal haben sich am „Climathon“ beteiligt, einem 24-stündigen Ideenmarathon zur Entwicklung lokaler Maßnahmen gegen den Klimawandel. Mehrere Teams beschäftigten sich mit Lösungen für eine klimafreundliche Stadtentwicklung, eine Jury kürte am Ende drei Sieger. Der erste Preis ging an „Clean Wup“, eine Sensibilisierungskampagne zur Müllvermeidung in Wuppertal: Müll auf den Straßen und Gehwegen und in Parkanlagen, Abfall im falschen Abfallbehälter oder daneben – die Vermüllung beschreibt ein wachsendes Problem für viele Städte. Das Projekt möchte den Spirit, der global sowie regional durch die „Fridays for Future“-Bewegung entstanden ist, aufgreifen und die Bevölkerung in Sachen Abfallvermeidung stärker mobilisieren. Die Siegerteams erhalten nun ein Gründercoaching und Coworking Spaces in der Region zur Weiterentwicklung ihrer Ideen.

Den Regenwald retten

Der Regenwald ist weltweit bedroht. Auch auf den Philippinen, wo die meisten Tier- und Pflanzenarten pro Fläche vorkommen, gibt es nur noch Bruchteile der ursprünglichen Fläche. Seit über 20 Jahren erforschen und schützen Bochumer Wissenschaftler und Studierende den letzten zusammenhängenden Tieflandregenwald der Zentralphilippinen. Organisiert sind sie in der Initiative „Philicon“. Regelmäßig reisen die Bochumer auf die Philippinen und beschäftigen sich mit Verhaltensbiologie und Regenwaldökologie. Dabei entdecken sie auch immer wieder bisher unbekannte Tierarten. Gleichzeitig bringen die Bochumer der lokalen Bevölkerung die Bedeutung dieses einzigartigen Ökosystems sowie seine nachhaltige Nutzung näher und tragen so zu seinem Schutz bei.

Benzin und Diesel revolutionieren

Das Exzellenzcluster „The Fuel Science Center“ der RWTH Aachen erforscht neuartige, CO2-neutrale Kraftstoffe für eine effizientere Verbrennung – und ist damit mittendrin in der Diskussion um Stickoxidwerte, Dieselabgase und Klimabelastung. Die Wissenschaftler aus mehr als 25 Instituten und Forschungseinrichtungen möchten nicht weniger als den Verbrennungsmotor revolutionieren. Dafür entwickeln sie völlig neue synthetische Kraftstoffe, so genannte „E-Fuels“. Das „E“ steht dabei für erneuerbare Energien. In Zukunft sollen diese regenerativen Kraftstoffe einen wichtigen Beitrag zur CO2-Neutralität leisten, denn sie verbrennen sauberer, es gelangen also weniger Schadstoffe durch den Autoverkehr in die Luft. Gleichzeitig sollen die neuen Kraftstoffe, so das Ziel der Aachener Wissenschaftler, in herkömmlichen Motoren verbrannt werden können.