Wuppertal: "Himmel auf Erden" in Wuppertal

Wuppertal: "Himmel auf Erden" in Wuppertal

Die neue große Sammlungsausstellung im Von-der-Heydt-Museum läuft bis September. Zu sehen sind Schlüsselwerke des 20./21. Jahrhunderts.

Franz Marc war mehr als ein Maler blauer Pferde. Der Expressionist wurde nur 36 Jahre alt und schrieb mit seinen Tierdarstellungen Kunstgeschichte – dabei stand nicht die Virtuosität im Vordergrund. Er wollte vielmehr die geistige Seite der Natur darstellen, die "Seele" der Tiere freilegen. Nun ist Marcs blauschwarzer, auf seine Art fast niedlicher Fuchs von seinen Museumstourneen in die Heimat zurückgekehrt und in der neuen Ausstellung im Von-der-Heydt-Museum zu sehen. Berührend, wie sich das Tier in die Farbfelder schmiegt und fügt, mit Zauber umgibt. Der Fuchs gilt als eines der meistausgeliehenen Werke des Wuppertaler Schatzhauses. Nun befindet er sich wieder in vertrauter Umgebung.

Was tut ein Museum, das wenig Etat, aber viel Kunst hat? Es macht aus der Not eine Tugend, zieht seine Trümpfe. Werner Finckh weiß, was er an der Sammlung hat, der Direktor antizipiert, wie seine Bilder glühen können, kennt ihre Wirkung und Bedeutung. Also bediente er sich der Schlüsselwerke des 20. und 21. Jahrhunderts, um eine prächtige Ausstellung zu inszenieren. Den Titel verlieh er selbst, offenbar euphorisch gestimmt: Nicht ein einziges Bild zeigt den "Himmel auf Erden", doch wer sich die Parade des Schönen anschaut, mag sich für einen Moment der Welt enthoben fühlen.

Innerhalb der chronologischen Ordnung vom beginnenden 20. Jahrhundert bis heute wurde auch nach Motiv und Situation, nach Licht und Schatten gehängt. Skulpturen, Gemälde, Grafiken und Zeichnungen ergeben stimmig klingende Zeitbilder. Zu Beginn – von 1900 bis zum Ersten Weltkrieg – strahlt es. Braque, Marquet, Ophey malen leuchtende Szenerien, dazu gesellen sich recht unterschiedliche, aber schöne Damen: Van Dongens' Mädchenakt oder Munchs Mädchen mit dem rotkarierten Kleid. Düsterer, fast pessimistisch wirkt der Folgeraum: Beckmann malte sich als Clown, Morgner zerlegte sein Bildnis in vom Pinselstrich geprägte Farbkaskaden, Otto Müller inszenierte sich 1922 als cooler Pfeifenraucher – mit Judenstern.

Die "Blauen Reiter" und die "Brücke"-Maler folgen – nur Meisterwerke; schließlich der Surrealismus, exquisite Bilder wie Dalìs Toteninsel oder Ernsts Golfstrom. Von Raum zu Raum entwickelt sich die Malerei, wird abstrakter, kühner in der Komposition. In gleißendes Licht ist das böse Erwachen nach dem Krieg gestellt: Buchheister, Albers, Nay, Informelle wie K.O. Götz; im Finale dann die Zero-Helden, das Beste von Mack, Piene und Uecker. Zeitgleich und fast noch spektakulärer: Fontanas Schlitz in der Leinwand.

Im Nachklang sind Blicke auf Beuys, Gerhard Richter und unverhofft auf Zeichnungen von Tony Cragg möglich. Über dessen unerwartete Wandarbeit, eine gepuzzelte "Blaue Flasche", gerät man schon beim Treppenaufgang ins Staunen.

Info Bis 1. September in Wuppertal, Turmhof 8. Geöffnet: Di. - So., 11- 18 Uhr.

(RP)