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Hillary Clinton bei der Berlinale: „Ich bewundere Angela Merkel“

Hillary Clinton bei der Berlinale : „Ich bewundere Angela Merkel“

Die amerikanische Politikerin stellt bei den Filmfestspielen eine vierstündige Doku über ihr Leben vor - und spricht kämpferisch über Frauenrechte und den Kulturkampf gegen Rechts.

Da kommt sie auf die Bühne, Hillary Clinton, und lächelt. Nicht das große Wahlkampflächeln von früher, sondern ein freundliches Good-to-be-here-Lächeln, und die Leute im Haus der Berliner Festspiele klatschen und erheben sich. Sie haben gerade eine vierstündige Dokumentation über Clintons Kampf um die Präsidentschaft 2016 gegen Donald Trump gesehen. Doch es war nicht die Rekonstruktion einer extrem polarisierenden Kampagne, sondern ein Frauenporträt, eine Richtigstellung, eine Rückeroberung des eigenen Images.

Hillary Clinton will nicht als die ehrgeizige, unnahbare Polit-Strategin in die Geschichtsbücher eingehen, die im entscheidenden Kampf unterlag. Und auch nicht als die „böse Hexe“, zu der Donald Trump sie mit ständigen Wiederholungen seiner kindischen Verunglimpfungen machen wollte.

Als Frauenrechtlerin hat Hillary Clinton, geborene Rodham, ihre politische Karriere begonnen. Das zeigt die Doku. Als Frauenrechtlerin will sie weiter wirken, darum ließ sie die Doku zu. Und so spricht sie auch bei der Filmpräsentation im Programm der Berlinale. „Ich war immer populär, wenn ich Männern gedient habe“, sagt sie etwa. „Sobald ich für mich selbst angetreten bin, wurde ich mit all den Vorurteilen und Stereotypen konfrontiert, die Frauen noch immer begegnen.“

Später wird sie kämpferisch. Die Auseinandersetzungen mit Rechtspopulisten seien längst kein politischer Kampf mehr, sondern ein Kulturkampf. Rechte Kräfte seien am Werk, das Rad der Geschichte zurückzudrehen, errungene Freiheiten wieder aufzugeben. Die Rechte von Frauen etwa oder von Homosexuellen. Da bekommt sie einmal mehr Applaus in Berlin.

Gedreht hat die Dokuserie die amerikanische Regisseurin Nanette Burstein. Die hat schon einige preisgekrönte Dokumentarfilme gedreht, etwa über angehende Boxer oder über amerikanische Teenager kurz vor dem Schulabschluss. Sie lockte man mit einem dicken Köder: mit mehr als 2000 Stunden Videomaterial, das die Mitarbeiter von Hillary Clinton während des Wahlkampfes gegen Trump 2016 drehten. Aufnahmen aus dem engsten Kreis des Wahlkampfteams also. Verführerisches Material für eine Filmemacherin.

Burstein willigte ein, doch als sie all die Stunden Innenansichten sichtete, um einen Film daraus zu schneiden, trat eine andere Geschichte zu Tage. Zumindest erzählte es Burstein in Berlin so. Demnach entdeckte sie die Geschichte einer intelligenten, engagierten jungen Frauenrechtlerin, die sich Ende der 1960er Jahre unter lauter männlichen Jurastudenten behauptete, dann als erste Frau in einer Anwaltskanzlei schnell zur Partnerin avancierte, ihre politische Karriere begann und all ihre Aufgaben und Ämter nutzte, um die Spielräume für Frauen zu erweitern und ein neues Vorbild zu sein. All das hat sie zu der Frau gemacht, die schließlich gegen Trump antrat.

Diese Geschichte wollte Burstein erzählen, und so bat sie Hillary Clinton, ihr ein ausführliches Interview über ihren Lebensweg zu geben. Daraus wurden dann weitere 35 Stunden Filmmaterial - und das Gerüst des Filmes. Dazu hat Burstein mit Clintons Ehemann, dem ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton, sowie einigen engen Freundinnen Hillarys, mit Mitarbeitern und mit Journalisten gesprochen und diese Interviews mit Videomaterial gegengeschnitten. Auch heikle Kapitel wie die Affären Bill Clintons sind ein Thema in der Doku. Kritiker oder politische Gegner kommen hingegen nicht zu Wort.

„Hillary“ ist also nicht das distanzierte Werk einer kritischen Filmemacherin, sondern eine Nahaufnahme im Sinne der Porträtierten. Doch ist das durchaus sehenswert und verliert auch über vier Stunden nicht an Spannung. Schließlich ist Bursteins Ansatz, Hillary Clinton als Frauenrechtlerin zu zeigen, biografisch gedeckt.

Clinton gehörte zu den ersten Frauen, die es wirklich ernst meinten mit der Idee, Frauen an die Macht zu bringen. Und die sich keine Illusionen darüber machten, dass sie dafür auch würden einstecken müssen. Die Doku folgt dem Narrativ: Für die Sache der Frauen hat sich Clinton selbst immer größeren Herausforderungen gestellt. So erzählt Clinton darin etwa, sie habe sich erst für die Kandidatur um das Präsidentenamt entschlossen, als sie spürte, dass sie möglicherweise Angst davor haben könnte.

Bei ihrem Auftritt in Berlin ist eine entspannte, schlagfertige, kämpferische Hillary Clinton zu erleben, die von einem vorwiegend weiblichen Publikum im Kinosaal gefeiert wird. Und die am Ende auch ohne Präsidentinnenamt staatsmännisch wird: „Für Gerechtigkeit muss man kämpfen. Denn die Mächtigen teilen ihre Macht nicht ohne Kampf. Wenn man also auf Diskriminierung, Benachteiligung, Extremismus oder welche Herausforderung auch immer stößt, muss man den Willen haben, aufzustehen und dagegen zu kämpfen“, so Clinton.

Das sei auch einer der vielen Gründe, warum sie Angela Merkel bewundere. „Sie tritt für Europa ein, für alles, was wir zusammen in den transatlantischen Beziehungen erreicht haben. Wir können es uns nicht leisten, das zu vergessen.“ Für einen kurzen Moment malt man sich da aus, wo die Welt heute stünde, hätten sich die USA 2016 doch zum ersten Mal in ihrer Geschichte für eine Frau entschieden.