Haus der NRW-Geschichte nach Stuttgarter Vorbild?

Haus der NRW-Geschichte nach Stuttgarter Vorbild?

Düsseldorf/Stuttgart Zu den Stärken Nordrhein-Westfalens gehört neben seiner Wirtschaftskraft die kulturelle Vielfalt mit einer Fülle von Museen und Bildungseinrichtungen. Doch eines hat das Land, das vor 65 Jahren von den britischen Besatzungsbehörden gegründet wurde, nicht: ein eigenes Haus der Geschichte.

Wenn es nach dem Präsidenten des Düsseldorfer Landtags, Eckhard Uhlenberg, ginge, würde sich das bald ändern. Der CDU-Politiker träumt davon, vor allem die jugendlichen Besucher des Landtags auf zeitgemäße Weise mit der NRW-Geschichte vertraut zu machen. Einen Standort hat er auch schon im Auge: Es ist die nahe dem Landtag gelegene Villa Horion, ein 1911 fertiggestellter neoklassizistischer Bau, in dem die früheren NRW-Ministerpräsidenten von Franz Meyers (1958–1966) bis zu Johannes Rau (1978–1998) ihren Dienstsitz hatten.

Wie man ein solches "Haus der Geschichte" ansprechend ausstatten kann, lässt sich in Stuttgart studieren. Als einziges Bundesland unterhält Baden-Württemberg eine solche landesgeschichtliche Einrichtung. Bei einem Besuch des Hauses im Herzen der Stadt zeigte sich Uhlenberg fasziniert von der Größe des Museums und den innovativen Nutzungsmöglichkeiten für die jährlich rund 120 000 Besucher.

Interaktivität wird im Stuttgarter Haus der Geschichte groß geschrieben. "Zuhören", so sagt die Hausherrin, Paula Lutum-Lenger, sei heutzutage nicht mehr die Stärke junger Leute. Deswegen müsse in den Ausstellungshallen und -nischen "immer etwas passieren". Dank des ausgeklügelten Museumskonzepts könnten die Besucher "mit allen Sinnen etwas aufnehmen".

Zur chronologisch angelegten Dauerausstellung – sie beginnt mit dem Jahr 1790 und reicht über die Gründung des Landes 1952 bis in die Gegenwart – gehören politische Plakate, Dokumente, Erfindungen, Haushaltsgeräte, persönliche Utensilien und Spielzeug – allesamt Objekte, die eine Geschichte zu erzählen haben, sagt Paula Lutum-Lenger. Zu vielen Ausstellungsstücken, die auf zwei Ebenen präsentiert werden, kann man mit Multimedia-Technik weitere Informationen abrufen. Dasselbe gilt für den Themenpark, in dem der Bereich Aus- und Einwanderung anhand von Einzelschicksalen veranschaulicht wird.

Uhlenberg erstrebt für "sein" Museumsprojekt eine möglichst breite politische Unterstützung. Im November will er Fachleute – Museumspädagogen, Historiker und Kulturpolitiker – zu einer Runde im Landtag versammeln, um erste Überlegungen für ein Düsseldorfer "Haus der Geschichte" zusammenzutragen.

Viele Leser dieser Zeitung zeigen sich von seiner Idee angetan und machen Vorschläge für mögliche Ausstellungsobjekte und -schwerpunkte. Der Kölner Dom gehört ebenso dazu wie der Duisburger Hafen, die Bergische Kaffeetafel, eine Übersicht über die Träger des NRW-Ordens, das Opel-Werk in Bochum, die Ruhrfestspiele, das Neusser Schützenfest und der Grenzlandring ("Avus des Westens").

Man müsse sich davor hüten, Dinge auszustellen, die schon woanders zu sehen sind, mahnt die Stuttgarter Museumsleiterin. Ihr Haus habe "bei Null angefangen". Man müsse bei anderen für seine Idee werben, könne aber natürlich "keine Raubzüge" starten. Ihr jährlicher Etat liegt bei 3,6 Millionen Euro, von denen 2,1 Millionen auf Personalkosten entfallen. Der Eintritt – für Schüler kostenfrei – ist mit drei Euro für Erwachsene und fünf Euro fürs Familienticket ziemlich günstig gemessen an dem, was geboten wird.

(RP)
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