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"Harry Potter und das verwunschene Kind": So magisch was Premiere in Hamburg

Premiere in Hamburg : So magisch ist „Harry Potter und das verwunschene Kind“

Düster und spannend setzt das Mehr!-Theater in Hamburg das Stück „Harry Potter und das verwunschene Kind“ von J.K. Rowling in Szene. Inhaltlich setzt es 19 Jahre nach dem Harry-Potter-Roman „Die Heiligtümer des Todes“ an. Es drohen Vater-Sohn-Konflikte und die Rückkehr des dunklen Lords.

Wer behauptet, die Jugend sei die schönste Zeit des Lebens, will sich wohl nicht an die eigene Pubertät erinnern. Das Gedächtnis von Jack Thorne und John Tiffany  funktioniert da besser: Als die beiden Briten das Theaterstück „Harry Potter und das verwunschene Kind“ schrieben, das auf dem gleichnamigen Buch von Harry-Potter-Autorin J.K. Rowlings basiert, kramten sie all das heraus, was einen normalerweise in dieser Lebensphase begleitet – von Selbstzweifeln über (Welt-)Schmerz bis zu Stress mit den Eltern.

 Die Bühne wird zur Bahnhofshalle.
Die Bühne wird zur Bahnhofshalle. Foto: Manuel Harlan

Das zweiteilige Werk wurde am 30. Juli 2016 in London uraufgeführt. Nun feiert es im Mehr!-Theater in Hamburg endlich seine deutsche Erstaufführung, nachdem sie pandemiebedingt mehrfach verschoben wurde. Startpunkt ist das Gleis 9 ¾ – von dort fährt, auch 19 Jahre nachdem Harry Potter die Zauberschule verlassen und Lord Voldemort besiegt hat, der Hogwarts-Express ab. Den besteigt allerdings nicht Harry Potter (Markus Schöttl). Der erwachsene Harry leitet im Zauberministerium die Abteilung für magische Strafverfolgung, ist mit Ginny Weasley (Sarah Schütz) verheiratet und hat drei Kinder.

 Markus Schöttl als erwachsener Harry Potter.
Markus Schöttl als erwachsener Harry Potter. Foto: Manuel Harlan
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Sein mittlerer Sohn Albus (Vincent Lang) soll jetzt seine Ausbildung in der Zauberschule beginnen. Klar, dass der Junge immer wieder darüber stolpert, der Sohn von Harry Potter zu sein. Er fühlt sich in Hogwarts überhaupt nicht heimisch. Einzig sein Freund Scorpius Malfoy, den Mathias Reiser herrlich überdreht gibt, hält stets zu ihm. Dummerweise ist er aber der Sprössling von Harry Potters einstigem Widersacher Draco Malfoy (Alen Hodzovic), darum passt Albus' Vater diese Freundschaft überhaupt nicht. In der Konsequenz eskalieren die Vater-Sohn-Konflikte zusehends.

All das ist temporeich in kurze Szenen gepackt. Die rasanten Schnitte hat sich der Regisseur John Tiffany in der Filmwelt abgeguckt. Das Bühnenbild von Christine Jones ist multifunktional und lässt sich blitzschnell verändern. Eben waren die Figuren noch im Internat, schwupps, stehen sie plötzlich im Zauberwald oder machen einen Sprung in Harry Potters Kindheit. Eine besondere Bedeutung kommt den beweglichen Treppen zu. Sie symbolisieren, wie sich die Protagonisten aufeinander zu oder voneinander weg bewegen.

Die technischen Effekte steigern sich im Laufe des Abends mehr und mehr. Mal saust Hermine Granger (Jillian Anthony) schwungvoll durch den Kamin in das Büro der Schulleiterin Professor McGonagall (Anita Maria Gramser), mal verschwinden Albus und Scorpius mit ihrer geheimnisvollen neuen Freundin wie von Geisterhand in einem Bücherregal. Wenn innerhalb von Sekunden auf einmal ein anderer Charakter in einem Kostüm steckt, fragt man sich: Wie funktioniert das?

Lustig wird es, als die Maulende Myrte einen kurzen Auftritt hat: In dieser Rolle kann Glenna Weber kokettieren und flirten, was das Zeug hält. Zu jeder Menge Turbulenzen führen dagegen Albus' und Scorpius' Ausflüge in die Vergangenheit. Die bösen Geister, die am Ende des ersten Teils durch den Publikumsraum schweben, lassen nichts Gutes erahnen. Bezahlt macht sich gerade in dieser Szene die düstere Musik von Imogen Heap.

Dunkel geht es nach der Pause weiter. Da müssen Draco Malfoy und Harry Potter nebst seiner engsten Vertrauten alles daran setzen, die Fehler ihrer Söhne auszubügeln. Nur wenn sie die Vergangenheit wieder in die Spur bringen können, lässt sich die Rückkehr Lord Voldemorts (Uwe Serafin) noch verhindern. So viel Spannung muss sein. Dabei zählen aber über weite Strecken eher die inneren Konflikte der Protagonisten.

Bis zum Schluss ist nicht gewiss: Wer ist eigentlich das verwunschene Kind? Harry Potter? Sein Sohn Albus? Oder vielleicht Scorpius, der unter den fiesen Gerüchten leidet, die sich um seine Herkunft ranken? Letztlich muss der Zuschauer entscheiden, wem dieser Titel gebührt.

Man kann dieses Stück aber auch einfach genießen, ohne sich darüber den Kopf zu zerbrechen. Das tolle Ensemble punktet mit seiner Spielfreude. Alen Hodzovic hat als Draco Malfoy die Coolness für sich gepachtet. Markus Schöttl alias Harry Potter muss sich eingestehen, dass er seinem Sohn nicht immer der beste Vater war. Vincent Lang taucht Albus in ein Wechselbad der Gefühle. Bis es heißt: Ende gut, alles gut.