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Harald Welzer: "Wir müssen wieder in den Handlungsmodus kommen"

Düsseldorfer Rede mit Harald Welzer : „Wir müssen wieder in den Handlungsmodus kommen“

Mit Harald Welzer werden am Sonntag, 22. Mai, die Düsseldorfer Reden im Schauspielhaus fortgesetzt. Zuletzt stand der renommierte Sozialpsychologe in der Kritik, weil er Waffenlieferungen an die Ukraine für falsch hält.

Alle reden vom Krieg. Und auch davon, ob die Lieferung schwerer Waffen nun richtig, geboten oder vielmehr fatal ist. Auch die Intellektuellen in Deutschland beteiligen sich an der schwierigen Meinungsfindung eifrig, zumindest in sogenannten Offenen Briefen, die sich für und gegen derartige Lieferungen aussprechen. Der Sozialpsychologe Harald Welzer (63) lehnt Waffenlieferungen ab und unterschrieb darum den von Alice Schwarzer initiierten Brief.

In der Sendung von Anne Will erklärte er dazu, dass die Frage „der permanenten Aufrüstung ja kein logisches Ende“ habe. Die Gefahr der Entgrenzung der Gewalt sei groß, so der 63-Jährige. Zwar sei es aus Sicht der angegriffenen und bedrohten Ukrainer logisch, alles zu fordern, was der eigenen Verteidigung dienlich sei. Doch müssen die umliegenden Nationen dieser Logik nach seinen Worten nicht vorbehaltlos folgen. Für diese Ansicht hagelte es Kritik, und noch in der Sendung attestierte ihm der ukrainische Botschafter Andij Melnik, dass diese Meinung aus Sicht der Ukraine „moralisch verwahrlost“ sei. Am Sonntag, 22. Mai, wird Harald Welzer im Schauspielhaus zu erleben sein, als Vortragender der Düsseldorfer Reden, die seit fünf Jahren das Theater in Kooperation mit der Rheinischen Post veranstaltet.

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Die Debatte, wie nun der Krieg schnell beendet und ein belastbarer Friede in Aussicht gestellt werden kann, erregt alle Gemüter, provoziert viele Haltungen. Und oft gibt es dabei nur ein Ja oder ein Nein, euphorische Zustimmung oder empörte Ablehnung.

Ein solches Erregungspotenzial ist für Welzer wenig überraschend. Vielmehr sei es fast typisch für eine Zeit und für Gesellschaften, die Ereignisse zu schnell und zu absolut als Krisen zu begreifen und sich dadurch in eine Hysterie zu steigern, die einer Bewältigung nicht hilfreich ist. Danach sehen die Menschen mittlerweile in vielen Erscheinungen unserer Zeit eine Krise – etwa im Klimawandel. Und Katastrophen wie jene im vergangenen Jahr im Ahrtal würden dann zu einem „Weckruf“ deklariert. Dabei sei Vieles eine Folge des Klimawandels, in dem wir seit langem steckten.

All diesen erregten Reaktionen wohne „ein hohes Maß an Irrationalität“ inne. Dabei, so Welzer, müssten die Gesellschaften viel „robuster“ werden, um aus der krisenhaften Schockstarre endlich in den Handlungs- und Gestaltungsmodus zu kommen. Denn wir seien nicht im Vorfeld von Entwicklungen, sondern bereits mittendrin, sagte er im Gespräch mit unserer Zeitung. Schließlich müsse man sich darüber klar werden, welche Dimension der Klimawandel zudem für die künftige Friedenspolitik habe werde. Auch darüber wird Harald Welzer, der im vergangenen Jahr nach einem erlittenen Herzinfarkt das Buch „Nachruf auf mich selbst: Die Kultur des Aufhörens“ veröffentlichte, im Schauspielhaus reden.

Info „Düsseldorfer Reden im Schauspielhaus, Sonntag, 22. Mai, 11 Uhr; Karten unter karten@dhaus.de sowie telefonisch unter 0211-369911.