Harald Schmidt über Kirchenmusik

Köln: Der Entertainer und die Orgel

Hararld Schmidt trat wieder auf: im Domforum und als einstiger Kirchenmusiker.

Harald Schmidt zieht hoch konzentriert seine Augenbrauen zusammen, dann bläst er in die Melodica und beginnt zu spielen. Und neben ihm der Kölner Domorganist Winfried Bönig, der seine Finger locker über die Tasten des Flügels tanzen lässt. Die ungewöhnliche Kombination aus Entertainer und Kirchenmusikprofessor war jetzt im Kölner Domforum zu erleben. Der „Talk am Dom“ mit Harald Schmidt und Winfried Bönig ist Teil von „Einfach himmlisch!“, der Kirchenmusik-Themenwoche.

Bevor Bönig und Schmidt musikalisch experimentieren, sprechen sie erst einmal über das, was sie verbindet: die Orgel. Denn was vielleicht nicht so bekannt ist: auch Harald Schmidt ist „richtiger“ Kirchenmusiker; er hat die C-Prüfung absolviert und sogar früher in einer Kirche als Organist gearbeitet. Auch wenn er sich inzwischen hauptsächlich als Familien-Chauffeur betätige, für Schmidt sei die Musik immer noch sehr wichtig. „Ein Musikinstrument aufzugeben, ist schlimmer als das Abi nicht zu schaffen“, sagt Schmidt.

Bönig seien die Orgel und seine Karriere als Kirchenmusiker regelrecht zugefallen, erzählt der Domorganist. Wenn er nachts im Dom spiele, verliere er völlig das Gefühl für die die Zeit. Außerdem sei an der Orgel toll: „Man hat beim Spielen lauter Pfeifen vor sich, die machen, was man sagt. Das hat man sonst nur beim Militär“, so Bönig augenzwinkernd.

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Das Duo auf der Bühne versteht einander hervorragend. Humorvoll fachsimpeln Schmidt und Bönig über Bach und die Orgel. Das Domforum ist überfüllt, die Zuhörer, meist Fans, sind beiden ohnehin bestens gewogen. Als Publikumsfragen  gesammelt in einem Klingelbeutel – vorgelesen werden, steht eine Dame auf und holt riesige Alben aus der Tasche. „Das ist ihr halbes Leben als Album“, sagt sie und übergibt Schmidt ihr Geschenk. Über mehr als zwanzig Jahre habe sie alle Zeitungsartikel über ihn zusammengetragen.

Zum Abschluss gibt’s für alle noch Auszüge aus der legendären Mundorgel. Und so singt die Versammlung – mit Klavierbegleitung – „Bolle reiste jüngst zu Pfingsten“ und „Im Frühtau zu Berge“.

Auch wenn inzwischen für ihn „Drehort vor Inhalt“ gehe – wenn Harald Schmidt auf der Bühne steht, ist er wieder voll da, und sein Publikum einfach nur begeistert.