HA Schult stellte in Düsseldorf seine neusten "Trash People" vor.

Ein Ortstermin : Wie aus Müll und Mensch ein Kunstwerk wird

Seit über 20 Jahren touren HA Schults „Trash People“ um die Welt. Jetzt stellte der Künstler vor der Galerie Geuer und Geuer seine neusten Exemplare vor.

HA Schult macht seit mehr als sechs Jahrzehnten Kunst, und mittlerweile ist er auch selbst irgendwie Kunst. Hemd und Hose trägt er in Schwarz, sie wehen im Wind so wie seine blonden Haare. Eine hippe Sonnenbrille hat er auf der Nase. Hier gibt er einer nervösen Dame ein Autogramm, dort umarmt er jemanden. Ganz unaufgeregt erzählt Schult, dass er bald gemeinsam mit Hollywoodstar Daniel Craig essen wird, dem James-Bond-Darsteller. Die Schaulustigen, die heute gekommen sind, führt er wie eine Horde Touristen. Laut sprechen kann er sowieso. Dann erklärt er mit ausschweifenden Gesten, was es eigentlich auf sich hat mit diesem Lkw an der Ecke Andreasstraße und Kay-und-Lore-Lorentz-Platz. Oder wie Schult sagen würde: einem Ort der Kunstgeschichte. „Go Matera. Go“ steht in großer Schrift auf dem Fahrzeug. Hinten an der Ladefläche stehen Skulpturen aus „Trash“, wie HA sagt.

1996 standen die ersten Skulpturen aus Müll in Xanten, von dort aus reisten sie um die ganze Welt: Peking, Kairo, Rom – um nur ein paar Orte zu nennen. Den Müll kaufte er damals in Köln. Der Kleber, um den „Trash“ zusammenzukleben, stammte aus Düsseldorf – eine rheinische Symbiose und passend zu HA Schult. In Düsseldorf studierte er, in Köln lebt er heute. „Hier kenne ich eigentlich jeden Stein“, sagt Schult.

Doch bei den 20 Exemplaren, die er den Anwesenden heute präsentiert, ist etwas anders: Sie bestehen aus 9000 Jahre altem Tuffstein, entnommen aus einem Steinbruch in Sassi di Matera in Italien. Sie gilt als eine der ältesten Städte der Welt und ist Kulturhauptstadt Europas 2019. In den Stein hat Schult natürlich auch Müll gemischt, etwa zweieinhalb Monate hat er für die Fertigstellung der Skulpturen gebraucht. Vom 24. August bis 27. Oktober sollen die Skulpturen mit den etwa Tausend anderen wieder zurück zu ihrem Ursprung: nach Sassi di Matera. Schults Idee: Vor dieser historischen Skyline die Gegenwart auflaufen zu lassen. Denn: „Wir sind aus Müll geboren, produzieren Müll und werden zu Müll; und zwischendurch können wir eine Cola trinken“, sagt Schult, die Wasserflasche aus Plastik immer in der Hand.

In diese Zeit fallen in Sassi di Matera die Dreharbeiten zum neuen James-Bond-Film. Die Filmemacher wollten die „Trash People“ exklusiv im Vorspann zeigen, erzählt Schult. Doch das ist nicht möglich. „Ich kann die Skulpturen ja nicht mit weißen Tüchern abhängen“, sagt Schult. Trotzdem dinniere er mit „Herrn Craig“. Es würden aber noch andere Leute aus der „LA-Ecke“ kommen.

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