Großes Kino aus Griechenland

Großes Kino aus Griechenland

Drama "Alpen" blickt mit analytischer Schärfe auf die Liebe

Das ist bereits der zweite großartige Film aus Griechenland, der bei uns innerhalb von zwei Wochen in die Kinos kommt. "Alpen" von Yargos Lanthimos erzählt von einer Gemeinschaft von vier Freunden, die den Angehörigen verstorbener Menschen anbieten, den Sohn oder die Tochter oder den Ehemann zu ersetzen. Gegen Honorar geben sie der Erinnerung ein Gesicht und machen Schmerz erträglich.

Das neue griechische Kino liebt offenbar das Absurde, wie "Alpen" spielt auch der Film "Attenberg" von Athina Rachel Tsangari mit der abstrakten Idee von Liebe. Diese Produktion ist bei uns bereits angelaufen, man sollte sie erleben. Es geht darin um zwei Freundinnen, die Zwischenmenschlichkeit erforschen. Die eine ist lässig, die andere verkrampft, und am verblüffenden und sehr schönen Ende ergänzen sich die Charaktereigenschaften perfekt.

"Alpen" ist ästhetisch ähnlich brillant wie "Attenberg". Die Mitglieder der therapeutischen Laienspielgruppe geben sich Künstlernamen, sie nennen einander nach den höchsten Gipfeln der Alpen, und "Mont Blanc" ist der Chef. Er greift hart durch, als sich ein Mitglied undiszipliniert verhält und echte Zuneigung zu einem Kunden entwickelt. Die Helferschaft ist autoritär organisiert, und nun merkt man, wie politisch dieses Kino ist, wie aktuell. Die Bilder und das Spiel der Akteure sind gedämpft, die analytische Sicht auf die Welt zerstört das Klischee vom mediterranen Urlaubsland. Griechenland hat einen neuen, erfolgversprechenden Exportartikel. llll

(RP)
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