Neuss: Großartiger "Hiob" im Landestheater Neuss

Neuss : Großartiger "Hiob" im Landestheater Neuss

Selten sieht man ihn ohne Bibel; selten die Sicherheit verlieren, dass ein Leben im Glauben an Gott das einzig richtige ist. Stets bleibt Mendel Singer gelassen, ruhig – bis seine Frau ihm vorwirft, mit den falschen Sätzen aus der Bibel zu begründen, warum der von Krampfanfällen geschüttelte jüngste Sohn nicht im Krankenhaus geheilt werden darf. Mendel Singer, ein jüdischer Lehrer in Russland, wird wütend. Als ob er ahnt, dass es eines Tages mehr von ihm verlangt, den Glauben nicht zu verlieren.

Mit seinem 1930 erschienenen Roman "Hiob" hat Joseph Roth eine wunderbar erzählte Parabel von einem Menschen geschaffen, der Glück und Glauben verlor und beides wiederfand, als er es nicht mehr für möglich hielt. Die Regisseurin Bettina Jahnke hat sie behutsam in ein unbestimmtes Heute versetzt und mit ihrer Inszenierung am Rheinischen Landestheater Neuss einen so fesselnden wie aufrüttelnden Theaterabend geschaffen.

Fern jeder Tümelei, jeder Betroffenheitsseligkeit hat sie die kluge Theaterfassung von Koen Tachelet in klare Bilder umgesetzt, ohne jemals den Subtext aus den Augen zu verlieren: Wie es ist, wenn die Familie auseinanderfliegt; wie es ist, wenn nichts mehr einen hält. Schnörkellos fügt sie Situation um Situation aneinander, das gesamte Bild entsteht erst im Kopf des Zuschauers und brennt sich ein. Großartiges Theater – auch dank des ausgezeichneten Ensembles. Allen voran: Joachim Berger als Mendel Singer und Henning Strübbe als der kranke Sohn Menuchim.

Info Nächste Aufführungen: 1. und 2. Oktober, 20 Uhr, Kartentel. 02131 / 279933

(RP)