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Großartig: Neue CDs der Kölner Krautrocker Can

Großartig: Neue CDs der Kölner Krautrocker Can

Köln Den Einfluss der Kölner Band Can kann man kaum überschätzen; zeitgenössische Gruppen wie Radiohead berufen sich auf sie – um nur die berühmtesten Künstler zu nennen. Ihre große Zeit hatte sie zwischen 1969 und '74, damals erschienen "Spoon", "Vitamin C" und "Moonshake", lange und repetitive Stücke mit irren Rhythmus-Explosionen, Schall-Experimenten und weiten Ausflügen in die Esoterik. Can produzierte seinen ruppigen Krautrock zunächst auf Schloss Nörvenich, dann in einem Kinosaal in Weilerswist, und sie nahmen alles auf, was sie spielten.

Zum Glück, denn nun erscheinen in der opulent aufgemachten Drei-CD-Box "The Lost Tapes" 30 Stücke, die in den Archiven schlummerten, und diese Veröffentlichung ist ebenso hochwertig wie die Album-Klassiker "Monster Movie", "Tago Mago" und "Ege Bamyasi". Man findet dort etwa die Titelmelodie zu Wolfgang Menges Fernsehfilm "Millionenspiel" und den Soundtrack zur legendären "Tatort"-Episode "Tote Tauben in der Beethovenstraße" von 1973, die der amerikanische Western-Regisseur Sam Fuller inszenierte. Das Gros der Studio-Jams, Probe-Takes und Live-Dokumente stammt aus der Zeit, als Can mit dem US-Sänger Malcolm Mooney arbeitete. Seine Stücke "Deadly Doris" und "Streetcar" gehören zu den Höhepunkten des Materials. Ihm folgte 1970 Damo Suzuki am Mikrofon.

Man wundert sich, wie präzise Drummer Jaki Liebezeit, Keyboarder Irmin Schmidt, Gitarrist Michael Karoli und Bassist Holger Czukay selbst bei Proben vorgingen. Als sie zusammenkamen, waren sie um die 30 Jahre alt, sie hatten zuvor Free Jazz gespielt und Stockhausen verehrt, und das hört man: Sie gingen vor wie Punks, nur musikalisch geschult. Nichts klingt beliebig.

Die "Lost Tapes" dokumentieren neuerlich die Größe von Can.

(RP)