Girl Power mit Mitte 60: „Britt-Marie war hier“ erzählt von einer Dame, die noch einmal neu beginnt.

„Britt-Marie war hier“ : Girl Power mit Mitte 60

„Britt-Marie war hier“ erzählt von einer Dame, die noch einmal neu beginnt.

(kna) Das Graffito „Kilroy was here“ stammt aus dem Zweiten Weltkrieg und war überall dort zu finden, wo US-amerikanische Truppen durchgezogen waren. Kilroy wurde so zum Supersoldaten, der immer schon da gewesen war, bevor andere kamen. Oder etwas genauer: Kilroy kam anderen zuvor. Ein Spruch, der die Überlegenheit der US-Armee mit Nachdruck betonte, aber auch später im Alltag für sanfte Irritation und amüsiertes Schmunzeln sorgte.

Im Falle von „Britt-Marie war hier“, den die eigentlich als Schauspielerin bekannte Tuva Novotny inszeniert hat, bedeutet das leicht veränderte Graffito noch mehr: Es ist ein Lebenszeichen, das ein Aufbäumen im Alter signalisiert und für eine zweite Chance steht.

Nach dem Roman von Fredrik Backman, der schon die Vorlage für „Ein Mann namens Ove“ schrieb, erzählt Novotny die Geschichte der 63-jährigen Schwedin Britt-Marie, die seit 40 Jahren mit Kent verheiratet ist. Die ersten Szenen zeigen ihren ereignislosen, von Putzzwängen und Ordnung geprägten Alltag.

Ihr Mann hat nie Zeit und täuscht Arbeit vor – bis er einen Herzinfarkt erleidet und Britt-Marie eine junge, vollbusige Besucherin an seinem Krankenbett sitzen sieht. Daher stammt also das Parfüm an seinen Hemden. Kurzentschlossen packt Britt-Marie ihre Koffer und verduftet in eine kleine schwedische Gemeinde namens Borg, wo sie sich erfolgreich als Jugendbetreuerin beworben hat. Zur Jobbeschreibung gehört allerdings auch das Training der Kinderfußballmannschaft. Wenn Britt-Marie von einer Sache keine Ahnung hat, dann ist es Fußball – das zeigte schon ihr Unverständnis über die Begeisterung ihres Mannes bei der Fernsehübertragung von Länderspielen oder der Champions League.

Außerdem haben die bunt zusammengewürfelten Kids es nicht so mit Ordnung und Sauberkeit. Britt-Marie muss sich etwas einfallen lassen, wenn sie deren Respekt und vielleicht auch mal ein Spiel gewinnen will. Hilfe erhält sie ausgerechnet von einer blinden alten Frau, die früher eine erfahrene Trainerin war.

Dass alte Menschen noch etwas reißen können, ob als Bankräuber oder alleinstehende Witwe, zeigen einige aktuelle Kinofilme, von „Ein Gauner & Gentleman“ über „Ein letzter Job“ bis zu „Edie – Für Träume ist es nie zu spät“. Das Leben ist noch nicht vorbei, man kann auch im hohen Alter noch einmal neu beginnen.

Doch Tuva Novotny wollte darüber hinaus noch ein wenig mehr. In den Pressenotizen spricht sie von „Girl Power“. Eine ganz normale Frau entflieht ihrer lieblosen Ehe und tauscht ihre Einsamkeit gegen Geselligkeit ein, ihr Hausfrauendasein gegen eine sinnvolle Aufgabe. Es geht also um Emanzipation und Selbstverwirklichung.

Doch von Power ist in diesem Film wenig zu spüren. Während „Ein Mann namens Ove“ als widerborstig-böse Komödie überzeugte, kommt „Britt-Marie war hier“ eigentümlich brav und konfliktscheu daher. Vieles wirkt konstruiert. Die Wandlung der steifen und mürrischen alten Frau zur selbstbewussten Lady ist viel zu märchenhaft inszeniert.

Britt-Marie war hier, Schweden 2019 – Regie: Tuva Novotny, mit Pernilla August, Peter Haber, 98 Min.

(kna)
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