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Düsseldorf: Geschichte lässt sich nicht tilgen

Düsseldorf : Geschichte lässt sich nicht tilgen

In der Düsseldorfer Eon-Zentrale ist eine Schau zum Berliner Schloss zu sehen.

Das Berliner Schloss soll - wenn es in fünf Jahren aufgebaut und für alle geöffnet wird - das Land bewegen. Bis dahin aber bewegt sich das Schloss durchs Land, mit einer feinen Wanderausstellung, die erst in Dresden und in Frankfurt gastierte und jetzt in Düsseldorf eingetroffen ist. Eine derart staatstragende Schau zieht Prominenz mit sich - diesmal sogar Bundestagspräsident Norbert Lammert. Der gab sich gestern zur Eröffnung in der Eon-Zentrale als erst spät Bekehrter zu erkennen, der sich am vielleicht zentralsten Platz Deutschlands eine "brillant zeitgenössische Architektur" gewünscht hätte, wie das Centre Pompidou in Paris.

Doch Lammert ist zu intellektuell, um eigene Wünsche nicht neu bedenken zu können. Er schloss in diesen Bewusstseinswandel auch die Nation ein, denn "wenn eine Republik ein Schloss baut, dann sollte sie gute Gründe dafür haben". Und einer der Gründe ist die Geschichte des Schlosses. So war der Bau mit seinen Vorläufern erst die Keimzelle der Stadt, im 15. Jahrhundert der Kern Brandenburgs und im 19. Jahrhundert Preußens. Eine "absurde Vorstellung" sei es daher, die deutsche Geschichte erst 1945 oder gar mit dem Fall der Mauer 1989 beginnen zu lassen. Das Schloss reicht tiefer in die Historie des Landes, was offenbar auch die Machthaber der DDR empfunden haben, als sie die noch passabel erhaltene Kriegsruine 1950 in die Luft sprengten. "Der Versuch, damit die Geschichte zu tilgen, ist grandios gescheitert", so Lammert. Ein Schnappschuss der sorgfältig konzipierten Schau dokumentiert das Unfassbare: Zwei Straßenkehrer, die das Sprengwarnsignal überhört hatten, schrecken zusammen, als hinter ihnen das Schloss in die Luft fliegt.

Der fast 600 Millionen Euro teure Bau wird ein neues deutsches Selbstverständnis formulieren und mit dem Humboldtforum - das Bibliotheken, Archive und Museen vereint - zugleich aufklärend wirken. Denn: "Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die Weltanschauung derjenigen Leute, welche die Welt nie angeschaut haben", so Alexander von Humboldt.

Ausstellung bis 15. Oktober, Eon-Platz 1 in Düsseldorf, Mo.-Fr. 8-20 Uhr

(RP)